Liebe Wal- und DelfinfreundInnen,
im Namen des gesamten WDCS Teams möchte ich mich bei Ihnen für die großartige Unterstützung in diesem Jahr bedanken und wünsche Ihnen allen ein frohes Fest, schöne und erholsame Feiertage und ein gesundes, glückliches und erfolgreiches neues Jahr.
Die großartigen Reaktionen Ihrerseits auf Protestaufrufe, Bereitstellung von Spendenmitteln, motivierenden E-Mails und zahlreichen Rückmeldungen, die oftmals sehr konstruktive Kritik beinhalten, erleichtern und ermöglichen unsere Arbeit. Wir wissen dieses Engagement sehr zu schätzen, ist doch die Situation für viele Menschen gerade aus wirtschaftlicher Sicht schwieriger geworden.
Gerade in Zeiten, in denen Regierungen bei den Ausgaben für den Umwelt-, Tier- und Artenschutz große Einsparungen tätigen, gewinnen gemeinnützige und private Initiativen noch stärker an Bedeutung. Nur die politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit ermöglicht es, den Schwerpunkt auf die Erreichung der sich gesetzten Ziele zu setzen. Diese Unabhängigkeit ist letztendlich auch der einzige Garant, dass man die Öffentlichkeit auch stetig über die tatsächliche Situation, Hintergründe, als auch Positionen von Regierungen in Kenntnis setzt. So stehen oftmals Lippenbekenntnisse und öffentliche Äußerungen von Regierungsvertretern im krassen Gegensatz zu deren tatsächlichen Aktivitäten hinter den Kulissen.
Enttäuschend ist vor allem, dass viele Regierungen weiterhin an einem völlig überalterten Artenschutzkonzept festhalten, dass wir vielfach als „Erbsenzählerei“ bewerten. So sind Wale und Delfine schützenswerte, faszinierende Lebewesen, deren Schutz nicht an mathematischen Schätzungen über deren Bestand festzumachen ist. Jeder, der einem solchen Konzept nachläuft – leider zu viele in entscheidenden Positionen – hat das Leben dieser Tiere noch nicht begriffen und hat ein sehr begrenztes Bild von den Zusammenhängen des Lebensraumes „Meer“.
Eben der Frage „Warum gerade Wale schützenswert sind“ geht meine Kollegin, Philippa Brakes, nach. Philippa Brakes leitet das Ethikprogramm der WDCS.
http://www.wdcs-de.org/news.php?select=597
Die langlebigen, selten sich reproduzierenden Meeressäuger weisen sehr viele Merkmale auf, die uns nicht nur faszinierenden, sondern vor allem besondere Anforderungen an ihren Schutz stellen. So z.B. die Rolle und Bedeutung des Individuums innerhalb der sozialen Gemeinschaften, wie z.B. einer Schwertwalkuh. Der Fang eines Orcaweibchens in freier Wildbahn bedeutet aber nicht nur einen Verlust für die frei lebende Gruppe, sondern auch ein trauriges Schicksal für das betroffene Tier. Dr. Paul Spong erzählt Ihnen hier das Schicksal des am längsten in Gefangenschaft lebenden Orcas. Sie heißt CORKY. http://www.wdcs-de.org/corky_video.php
Orcas werden in der roten Liste gefährdeter Arten als „data deficient“ – kein ausrauchendes Datenmaterial vorhanden – geführt, kommen in allen Weltmeeren vor. Die Ironie liegt dabei in der Tatsache, dass Orcas vielerorts zu den am besten erforschten Meeressäugern überhaupt gehören. Auch weiß man heute, dass der Lebendfang von Orcas für Delfinarien in den 1960er Jahren an der Westküste der USA und Kanadas bis heute eine der wesentlichen Gründe ist, warum die lokale Orcapopulationen bis heute sich kaum erholt haben und als stark gefährdet gelten.
Für Buckelwale und viele andere Arten gebe es vergleichbare Beispiele. Und da verwundert es dann doch, wie viel Energie gerade europäische Regierungen aufbringen, um irgendwie Dänemark für Grönland die Bejagung von Buckelwalen wieder zu ermöglichen. Anstatt sich den Gefahren zu widmen, die z.B. Buckelwale im Nordatlantik bedrohen, bastelt Europa an einem Plan der Freigabe von Buckelwalfangquoten. Neue Gefahren anstelle der Reduktion bestehender Gefahren. Ein Armutszeugnis für Europa. Aus „weihnachtlichen“ Überlegungen verzichte ich an dieser Stelle, einen Blick auf die europäische Fischereipolitik zu werfen.
Nun heißt es jedoch, Energie tanken für die kommenden Wochen und Monate. Ich freue mich auf die Herausforderungen für das Jahr 2010 und hoffe, dass es uns gemeinsam gelingen wird, nicht nur weitere Erfolge zu erzielen, sondern zunehmend auf eine Änderung des gesamten Artenschutzkonzeptes hinzuwirken.
An dieser Stelle möchte ich mich auch bei allen MitarbeiterInnen und KollegInnen bedanken, die eine hervorragende Arbeit geleistet und rund um die Uhr für unsere Freunde in den Weltmeeren im Einsatz waren und sind.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, Ihrer Familie, Bekannten und Freunden nochmals geruhsame Feiertage, frohe Weihnachten und ein gesundes, erfolgreiches und glückliches Jahr 2010.
Ihr
Nicolas Entrup
WDCS Deutschland/Österreich
Geschäftsführer