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Delfin des Monats November:
Der Amazonas-Delfin

Fernando Trujillo

WDCS-Delfin des Monats November ist der Amazonas-Delfin oder Boto, der berühmteste unter den Flussdelfinen: Er ist den meisten als Rosa Flussdelfin bekannt, und in diesem Namen steckt seine außergewöhnlichste Eigenschaft: Die rosa Farbe der Amazonas-Delfine wird intensiver, wenn sie aktiv sind!

Der Boto ist mit einer maximalen Länge von 2,5 Metern der größte unter den Flussdelfinen und auch der häufigste. Schätzungen gehen davon aus, dass es noch Zehntausende von ihnen in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet gibt. Und trotzdem drohen Gefahren.

Wo leben Amazonas-Delfine und wie verhalten sie sich?
Amazonas-Delfine kommen in den Flussgebieten des Amazonas und des Orinocos in Brasilien,  Kolumbien, Ecuador, Peru und Venezuela vor. Vor allem Wasserfälle und Stromschnellen, Kraftwerksstaudämme und Veränderungen des Wasserstands setzen der Ausbreitung und Bewegungsfreiheit der Delfine Grenzen. Regen- und Trockenzeit verursachen alljährlich um bis zu 14 Meter schwankende Pegelstände der Flüsse. Die Migration der Beutefische spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der jahreszeitlichen Verbreitung der Delfine. Es gibt drei geografisch isolierte Unterarten: Inia geoffrensis/humboldtiana/boliviensis.

Amazonas-Delfine sind langsame Schwimmer und wurden beim Bugwellenreiten vor langsamen Schiffen beobachtet. Am aktivsten sind sie früh morgens und am späten Nachmittag, dann durchpflügen sie die Wasseroberfläche und vollführen kleine Sprünge. Sie bilden kleine Gruppen und nicht selten kommen sie vereinzelt oder mit wenigen Artgenossen gemeinsam vor. Sie schwimmen häufig verkehrt und strecken dem Beobachter dann ihren rosa Bauch entgegen.

Legenden um den Verwandlungskünstler
Seine Fähigkeit, eine intensivere Rosafärbung anzunehmen, und seine Angewohnheit, verkehrt zu schwimmen, haben die Legende entstehen lassen, dass die Delfine menschliche Gestalt annehmen können, und in der Nacht Mädchen und Frauen verführen. Es wird erzählt, dass Amazonas-Delfine in früheren Zeiten Menschen ins Wasser gelockt und sie dann an einen verzauberten Ort, ein Unterwasserparadies, geführt haben.

Amazonas-Delfine bedroht
Die größte Gefährdung für den Amazonas-Delfin sind vom Menschen herbeigeführte Veränderungen seines Lebensraumes, u. a. Deichbau sowie das Verfangen und Ertrinken in Fischernetzen. In einigen Gebieten werden die Tiere verehrt, in anderen gelten sie als Konkurrenten der Fischer und werden zuweilen gezielt getötet.

Schutz im Rahmen internationaler Abkommen
Die Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten (CMS) listet den Boto in Anhang II des Abkommens. Dies verpflichtet die CMS-Mitgliedsstaaten zum Schutz der Tiere und zu Maßnahmen gegen die Gefährdungsfaktoren. Von IUCN, der Weltnaturschutzorganisation, werden sie als „gefährdet“ eingestuft.

Projekte der WDCS
Die WDCS co-finanziert derzeit ein umfassendes Projekt zur Bestandsschätzung in den großen Flusssystemen der südamerikanischen Andenstaaten. Das Projekt der Omacha-Stiftung ist das erste seiner Art und hilft bei der Beschaffung wichtiger Informationen über die Populationen. Der Projektleiter, Fernando Trujillo, hat im Mai dieses Jahres den „Whitley Conservation“ Preis in Anerkennung für seine wichtige Arbeit zum Schutz des Boto gewonnen.

Die Stiftung hat unter der Führung von Fernando Trujillo mit Unterstützung der WDCS eine Feldstation an den Ufern des Flusses LoretoYacuy (Amazonas). Schulkinder und Lehrer aus der Gegend sowie Studenten aus allen Teilen des Landes kommen hierhin, um mehr über die Delfine und dieses Ökosystem zu erfahren. Die Vermittlung von Wissen über Delfine, andere Wildtiere und den Naturschutz in Flusslebensräumen stellt einen wesentlichen Aspekt des Projektes dar. Poster, Broschüren und andere Informationsmaterialien werden an die Gemeinden entlang des Flusses verteilt. In einem am Orinoco gelegenen privaten Naturreservat mit dem Namen „Bojonawi” (Sikuani-Wort für „Riesenotter“) führt die Omacha-Stiftung ein Management- und Erhaltungsprogramm durch. Das Fluss-System des Amazonas bildet die Heimat vieler Schlüsselarten und Fernando Trujillo dehnt seine Schutzarbeit auf Riesenotter, Kaimane, Anakondas und weitere Arten aus.

Fernando Trujillo über seine Arbeit, die Anfänge seiner wissenschaftlichen Forschung und mehr:
„Die WDCS unterstützt unsere Arbeit zum Schutz der Botos seit 17 Jahren und das hat uns geholfen, die positiven Ergebnisse zu erzielen, die wir bisher vorweisen können. Begonnen hat für mich alles Mitte der 1980er Jahre. Ich habe bereits Meeresbiologie studiert und die großen Raubtiere wie Delfine, Haie, etc. waren meine Leidenschaft. Ich war allerdings nicht sicher, in welcher Hinsicht ich mich dieser Leidenschaft widmen sollte, als ich den legendären Meeresschützer Jacques Cousteau. Er erzählte mir von den Flussdelfinen im Amazonas, und ich fragte weiter nach. „Das ist das Problem, wir wissen eigentlich noch sehr wenig über die Tiere“, antwortete er.

Ich glaube, für mich war am inspirierendsten, im Amazonas-Urwald Delfine und ihr enges Verhältnis mit der Kultur der indigenen Völker zu finden. Delfine sind Botschafter der Flüsse. Über ihren Schutz können wir das Management für diese Lebensräume im großen Stil promoten. Wenn wir über den Schutz der Botos reden, reden wir über die Regulierungen der Fischerei, Kontrolle des Quecksilbereintrags durch Goldminen, Stopp der Abholzung der Regenwälder und sogar über die Evaluierung der Umweltauswirkungen  von Megaprojekten wie Dammbauten.“

Ja, ich möchte die Projektarbeit der WDCS zum Schutz von Amazonas-Delfinen unterstützen