25. November 2009
Neue japanische Regierung soll Verkauf von giftigem Wal- und Delfinfleisch verbietenOffener Brief von Arten- und Verbraucherschutzverbänden
München, 24. November 2009. Eine internationale Allianz aus 49 Verbraucherschutz- und Umweltverbänden sowie Wissenschaftlern hat heute die neue japanische Regierung aufgefordert, die Jagd auf Kleinwale und Delfine sofort zu beenden. Darüber hinaus fordern die Verbände, den Verkauf des mit Quecksilber und anderen Giftstoffen stark belasteten Fleisches zu verbieten. Zu den Unterzeichnern des von Pro Wildlife mit-initiierten Briefes gehört auch die größte Verbraucherschutzorganisation Japans, die „Consumers Union of Japan“.
Japan erlaubt in seinen Küstengewässern den Fang von jährlich etwa 20.000 Zahnwalen, darunter verschiedene Delfinarten, Schweinswale und Baird-Schnabelwale. Das Fleisch dieser Tiere wird im ganzen Land verkauft. Weil sie am Ende der marinen Nahrungskette stehen, sind diese Tiere hochgradig mit Quecksilber, polychlorierten Biphenylen (PCBs) und anderen giftigen Substanzen kontaminiert.
Der mehrfach preisgekrönte Film Die Bucht hat in diesem Herbst die grausame Delfinjagd im japanischen Fischerort Taiji enthüllt – auch japanische Medien berichteten darüber. Die Berichte konzentrierten sich meist ausschließlich auf die Grausamkeit der Jagd. Die Quecksilberbelastung von Delfinfleisch blieb unerwähnt. „Seit Jahrzehnten warnen Wissenschaftler, dass Fleisch von Walen und Delfinen, das in Japan verkauft wird, alarmierend hohe Giftstoffwerten aufweist”, sagt Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife: „Die Konzentrationen einiger Proben überschreiten die japanischen Grenzwerte um das bis zu 5.000-Fache, was die Konsumenten erheblichen Gesundheitsrisiken aussetzt.”
Clare Perry von der Environmental Investigation Agency (EIA) ergänzt: „Einige dieser Tiere sind so vergiftet, dass Experten schon eine einzige Portion des Fleisches für ausreichend halten, um eine akute Quecksilbervergiftung zu erleiden.”
Quecksilber kann Nervenerkrankungen verursachen und erhöht das Risiko für Parkinson-Krankheit, Arteriosklerose, Immunschwäche und Bluthochdruck. Bei Kindern wächst die Gefahr für Autismus, Asperger-Syndrom und Aufmerksamkeitsstörungen. Dennoch wird in Japan noch immer Delfinfleisch an Schulen verteilt – sogar im Rahmen von Ernährungsprogrammen.
Sakae Hemmi, Sprecherin der japanischen Organisation Elsa Nature Conservancy, sagt: “Unsere letzte Untersuchung hat ergeben, dass 90 Prozent der Bevölkerung über die hohen Giftstoffwerte in Delfinfleisch nicht ausreichend informiert ist. Bis der Verkauf dieser kontaminierten Produkte verboten ist, sollten die Händler alle Wal- und Delfinprodukte mit Gesundheitswarnungen versehen.”
Ein Institut des japanischen Umweltministeriums hat im Spätsommer über 1.000 Haarproben bei den Bewohnern von Taiji eingesammelt und auf Quecksilber untersucht. Erste Ergebnisse lassen auf Werte deutlich über dem Durchschnitt in der japanischen Bevölkerung schließen. Die japanische Tageszeitung Asahi Shimbun kritisierte kürzlich, dass die Analysen in Taiji wichtige Standardtests ausließen, die quecksilberbedingte Nervenschädigungen nachweisen können.
Ein offener Brief der Allianz aus 49 Organisationen und Wissenschaftlern fordert nun Premierminister Yukio Hatoyama und seinen Fischereiminister auf, keine Fangquoten mehr für Delfine und Kleinwale zu genehmigen. Zudem soll der Gesundheitsminister den Verkauf der kontaminierten Produkte verbieten. Das erst kürzlich eingerichtete Verbraucherschutzamt soll die entsprechenden Gesetze in die Wege leiten. Der Offene Brief ist unter www.prowildlife.de zu sehen.
Der Offene Brief wurde unterzeichnet von: Advocates for Animals (England), All Life in a Viable Environment (Japan), Animal Welfare Institute (USA), Blue Voice.org (USA), Campaign Whale (England), Campaigns Against the Cruelty to Animals (Kanada), Canadian Marine Environment Protection Society (Kanada), Cetacean Society International (USA), Cocoon (Japan), Consumers Union of Japan (Japan), Dolphin Connection (USA), Dyrenes Venner (Dänemark), Earth Island Institute’s International Marine Mammal Project (USA), Eastern Caribbean Coalition for Environmental Awareness (Martinique), Elsa Nature Conservancy (Japan), Fundacion Cethus (Argentinien), Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (Dänemark), Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (Deutschland), Tethys Research Institute (Italien), Happy Tail (Japan), Harmonics Life Cente(Japan), Humane Society International, Japanisches Institut für Biodiversität (Japan), International Fund for Animal Welfare, LegaSeaS International (USA), Lokahi (Japan), Lunta no Niwa (Japan), Marine Connection (England), MEER. e.v., (Deutschland), National Council of SPCAs (Südafrika), OceanCare (Schweiz), Oceanic Preservation Society (USA), Orca Network (USA), Pacific Whale Foundation, Hawaii (USA), PangeaSeed (Japan), Pro Wildlife (Deutschland), Project Jonah (Neuseeland), Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals (England), Save Japan Dolphins Coalition, The Whaleman Foundation (USA), Tulsi (Japan), Uzu (Japan), Warabe Mura (Japan), Whale & Dolphin Conservation Society (England), World Society for the Protection of Animals (England) sowie den folgenden Personen: Keisuke Amagasa, NO! GMO Campaign (Japan); Prof. Harukichi Onoduka von der Wissenschaftlichen Vereinigung Japans; Shoei Go, NPO Minga Village Shiga (Japan) und Satish Kumar: Chefredakteur der“Resurgence“, Japan |