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16. September 2010

Aktuell aus Japan: Hans Peter Roth berichtet für die WDCS

Der Schweizer Journalist und Co-Autor des Buchs zum Film Hans Peter Roth ist für die WDCS vor Ort und berichtet bis Ende September über die Geschehnisse in Japan.

Regen, Wellen und Korallen

15. September 2010

Auch heute sind die Delfinjäger zur Jagd ausgefahren und mit leeren Händen wieder zurückgekehrt. Wir haben nichts dagegen! So lassen wir den Tag für einmal etwas ruhiger angehen und fahren ins unweit gelegene Kushimoto, dem südlichsten Punkt der japanischen Hauptinsel Honshu.
Dieser südlichste Punkt ist gleichzeitig der nördlichste Punkt der Erde, wo es tropische Korallen gibt. Das ist dem Kuroshio-Strom zu verdanken, der ganzjährig sehr warmes Wasser quasi direkt vom Äquator herauf hierher trägt.

Ein Schnorchelgang begeistert meine japanische Helferin und mich gleichermassen. Diese Formen und Farben! Wer bei einem solchen Anblick noch behaupten will, dass dies alles nur ein Resultat von "Zufällen" und "Mutationen" ist, dass also anders gesagt die Natur einfach "blind" und nach dem Zufallsprinzip vor sich her wütet und dann so etwas hervorbringt, hat etwas nicht begriffen, finde ich.

Dieser Kuroshio-Strom ist es übrigens auch, der immer wieder neue Schulen von Delfinen und anderen Walarten in japanische Gewässer treibt.
Tiere also, die noch nichts vom Horror wie beispielsweise in Taiji mitbekommen haben. Dies ist wohl der Grund, warum überhaupt noch Delfine dicht an Taiji vorüberziehen. Würde es sich um ortsansässige Populationen handeln, wären sie entweder infolge der exorbitanten Bejagung längst ausgestorben oder sie würden die Gewässer hier meiden.

Zudem bringt der Kuroshio-Strom, der ähnlich funktioniert wie bei uns der Golfstrom, auch viel feuchtwarme Luft mit sich. Und die entlädt sich heute ab dem späteren Nachmittag mit schweren Regengüssen. Nach der Hitze und Trockenheit hier atmet die Natur spürbar auf.

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Rückkehr mit leeren Händen

Das ist schon fast wie "ausschlafen", als meine japanische Helferin und ich heute um sieben Uhr aufstehen. Die Tage zuvor mussten wir stets schon um vier Uhr in der Früh aus den Federn. Als erstes fahren wir mit dem Mietwagen von Katsuura acht Kilometer nach Taiji an die Bucht. Drei Streifenwagen stehen auf dem Parkplatz. Die etwa acht Polizisten wirken übermüdet. Sie tun mir leid. Die meiste Zeit über passiert hier gar nichts und es muss todlangweilig sein. Ich schätze ihre Arbeit extrem. Sie sind stets freundlich, korrekt, menschlich, professionell und hilfsbereit. Dank ihnen fühle ich mich hier sicher.

Heute herrscht an der Bucht eine Art gespenstisch-friedliche Ruhe. Wir steigen über eine Steintreppe auf den höchsten Punkt des etwa 50 Meter hohen Tsunami-Bergs, direkt über der Bucht. Ein atemberaubender Aussichtspunkt, der auch besten Überblick bietet, ob die Delfinjäger ihr buch(t)stäbliches Treiben verfolgen. Schon beim Hochsteigen hören wir das Brummen von Schiffsmotoren. Das verheisst nichts Gutes. Doch als wir oben ankommen, können wir beobachten, wie ein Jagdboot um das andere unverrichteter Dinge in den Hafen von Taiji zurückkehrt. Zwölf Boote. Sie haben also keine Delfine gefunden, oder nicht die richtige Art. Wir sind erleichtert. Das bedeutet für uns auch, dass wir endlich mal einen Tag etwas ruhiger angehen lassen und unsere Arbeitsrückstände etwas aufholen können.


 
 
 

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