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09. März 2011

Ein Jahr nach dem Oscar für DIE BUCHT: Was hat sich getan?

07. März 2011

Was ist seither geschehen? Vor genau einem Jahr, am 7. März 2010, gewann DIE BUCHT in Hollywood den Oscar als bester Dokumentarfilm. Schon zuvor räumte der Film welcher schonungslos und auf hoch spannende Weise die Delfinjagd in Japan enthüllt, so ziemlich alle Preise ab, die im Dokfilm-Genre an Festivals zu holen sind.
 
In Japan aber stieß der Streifen auf wenig Gegenliebe. Die japanische Presse übte massive Kritik am Film selbst und an der Tatsache, dass er den Oscar gewonnen hat. Der Filmverleih, der „The Cove“ in die japanischen Kinos brachte, wurde von Ultranationalisten ebenso heftig angegriffen wie Kinos, die den Film zeigen wollten und in der Folge teilweise absetzten.
 
Doch der Schuss der Nationalisten ging nach hinten los. Statt dass es um den Film still wurde und dieser buchstäblich von der Bildfläche verschwand, entfesselte der ebenso buchstäbliche Lärm, welcher die Ultras in den Strassen von Tokio veranstalteten, eine Debatte über Presse- und Meinungsfreiheit in Japan. Und um diese ist es nicht gut bestellt.


 
So sehen auch immer mehr japanische Bürger den Filz zwischen Großkonzernen, bestochenen Regierungsmitgliedern und hörigen Verlegern, die den Chefredaktoren diktieren, was ihre Medien zu bringen haben und wie. Sie wollen sich eine eigene Meinung bilden. Deshalb forderten nicht wenige, wenigstens den Film „Die Bucht“ sehen zu können, um wirklich ein Urteil abzugeben.
 
So wurden am Ende die Nationalisten ziemlich still, statt mit ihrem Lärm noch mehr auf den Film aufmerksam zu machen. Schließlich lief „The Cove“ in gewissen japanischen Kinos recht gut. Das ist eine Errungenschaft des filmischen Meisterstücks, welches seit zwei Wochen in Japan auf DVD erhältlich ist und intensiv beworben wird. Zudem ist eine synchronisierte unzensierte Version auch online abrufbar.
 
Ohne Zweifel ist es mit ein Verdienst des Films, dass die Nachfrage nach Delfinfleisch sehr deutlich zurückgegangen ist. Gut informierte Quellen sprechen von etwa 30 Prozent geringerer Nachfrage gegenüber dem Vorjahr. Dies hat vor allem damit zu tun, dass die meisten Leute nun um die Quecksilber-Belastung des Fleisches wissen. Dazu kommt, dass jüngere Generationen kaum Delfinfleisch konsumieren wollen.
 
So ist es nicht verwunderlich und darf gleichzeitig vorsichtig optimistisch stimmen, dass in der vergangenen Treibjagd-Saison nur mehr etwa 900 Delfine getötet wurden im Vergleich zur vorangegangenen Saison, als es noch an die 1700 waren.



Kurz zusammengefasst lässt sich sagen: Ja, der Film, der Oscar, die Publizität, das Buch, der Druck von außen haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Nun bleibt aber die Frage, wie es weitergehen soll. Braucht es jetzt weiterhin und noch mehr Druck von außen? Oder kann dies auch zu einer Trotzreaktion und Verhärtung führen, sodass sich die Delfinjäger sagen werden, „jetzt erst recht weiter Delfine jagen“? Sicher ist: jetzt wegzuschauen und die Hände in den Schoss zu legen, wäre fatal. Andererseits bringen weitere große Aktionen mit versteckten Kameras wohl nicht mehr viel. Mit der zu Ende gegangen Jagdsaison ist so ziemlich alles gefilmt und dokumentiert worden, was die Öffentlichkeit sehen sollte. Und lautstarke Konfrontationen haben in der Vergangenheit wenig gebracht. Es ist Zeit, vorauszuschauen, in eine Zukunft ohne Delfinjagd in Japan. Und mit allen sinnvollen Mitteln darauf hinzuwirken.

Hans Peter Roth

 
 
 

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