2010-04-08
Ein guter Deal für Walfänger, ein schlechter Deal für WaleMünchen, 8. April 2010: Die heute erschienene Ausgabe des renommierten Wissenschaftsmagazins New Scientist enthält eine hintergründige Kritik an dem kontroversen Vorschlag über den auf der nächsten Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) im Juni 2010 abgestimmt werden soll: Wird dieser Antrag von einer Mehrheit der Mitgliedsstaaten angenommen, bedeutet dies nicht nur das Ende des kommerziellen Walfangverbots nach 24 Jahren, sondern auch grünes Licht für andere Länder, mit der Waljagd zu beginnen – ein massiver Rückschritt für die gesamte Schutzbewegung. Verfasst wurde die Kritik von zwei Experten der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS. Mark Simmonds, Leiter der WDCS-Wissenschaftsabteilung, und Sue Fisher, Leiterin der WDCS „Stopp Walfang“ -Kampagne, nehmen seit etwa zwei Jahrzehnten an Tagungen der IWC teil. Sich auf diese beachtliche Erfahrung stützend, legen sie im Artikel detailliert aus, warum der Vorschlag, auch „Paket“ genannt, einen Rückschritt darstellt, wie es dazu kommen konnte und warum er gestoppt werden muss.
Simmonds und Fisher heben besonders den kontinuierlichen Missbrauch des kommerziellen Walfangverbots der IWC durch Japan, Norwegen und Island hervor, die weiterhin unter Einspruch und Vorbehalt gegenüber den Auflagen der IWC Wale jagen oder einfach ein Schlupfloch nutzen, das Walfang zu „wissenschaftlichen Zwecken“ erlaubt. Gleichzeitig verdeutlichen die Autoren, dass das vorgeschlagene „Paket“ die Situation noch verschlechtern würde. Länder wie die USA, Neuseeland und Mitglieder der Europäischen Union – entscheidende Stimmen im Drängen auf eine angemessene Umsetzung des Walfangverbots - haben den ehemaligen Versprechen gegenüber ihrer Öffentlichkeit den Rücken gekehrt und setzen sich nun für eine Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs auf lange Sicht ein. Die EU, von deren 27 Ländern 25 Länder auch Mitglied bei der IWC sind, bindet sich die eigenen Hände durch bürokratische Prozesse, mit denen sie sich dazu zwingt, zu einer einheitlichen internen Position per Konsens zu gelangen. Damit können Pro-Walfang-Nationen wie Dänemark und Schweden in solchen Situationen jedwede progressive Walschutz-Politik blockieren.
Nicolas Entrup, Sprecher der WDCS Deutschland sagt: “Die Walfänger haben die IWC die letzten 23 Jahre lang erpresst und nun scheint diese Taktik der fortwährenden Provokation auch noch belohnt zu werden. In dem Wissen, dass ihre Argumente für die Fortsetzung der Waljagd die Weltöffentlichkeit niemals überzeugen können, sind sie zu der Drohung zurückgekehrt, mehr und mehr Arten und Tiere zu bejagen. Jedoch gibt es kaum heimischen Märkte für Walprodukte und somit kann ihre Industrie nur überleben, wenn man ihr neue Legitimation gibt. Die letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass der weltweite Handel mit Walprodukten ihr ultimatives Ziel ist und diese Industrie nur auf diesem Weg überleben kann.“
“Das „Verhandlungspaket“ wirft einer aussterbenden Industrie die Rettungsleine zu - und Walfang-Gegner könnten dafür bezahlen, da die steigenden Kosten der IWC auch von den Steuergeldern der Walfanggegnerstaaten zu finanzieren wären! Die Walschutzstaaten müssen jetzt auf eine strikte Umsetzung und Verstärkung des Walfangverbots drängen, anstatt es zu eliminieren! Lasst’ uns die Wale retten, und nicht die Walfänger“, schließt Entrup von der WDCS.
Eine überarbeitete Version des Antrages, der in der Kleinen Arbeitsgruppe der IWC (Small Working Group) ausgehandelt wurde, wird den IWC-Mitgliedsstaaten vermutlich am 22. April 2010 zur Prüfung und zur Vorbereitung auf die Jahrestagung der IWC vom 21. und 25. Juni 2010 in Agadir, Marokko, vorliegen.
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Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:
Nicolas Entrup, Geschäftsführer WDCS Deutschland Tel.: (+49) 0171 1423 117 E-Mail: nicolas.entrup@wdcs.org
Laura Döhring, Presse und Kommunikation WDCS Deutschland Tel.: (+49) 089 6100 2395 E-Mail: laura.doehring@wdcs.org
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