Home
WDCS Australasia WDCS UK WDCS North America WDCS Argentina



2010-04-09

Walfleisch bereitet Island und Norwegen weiterhin Sorgen

Es scheint, dass die Walfangindustrie Probleme hat, ihre Produkte zu verkaufen. In den letzten Wochen hat die WDCS zusammen mit anderen Organisationen verschiedene fragwürdige Verkäufe von isländischen Walprodukten aufgedeckt, ++ wir berichteten ++  und der „Kummer dieser Industrie“ geht weiter: Das Nachrichtenportal Fish News EU berichtete letzte Woche, dass Greenpeace im Hafen von Rotterdam ein Schiff blockiert hatte, mit dem Finnwalfleisch aus Island nach Japan exportiert werden sollte. 

Die Greenpeace-Aktivisten ketteten sich an die Ankerseile des Frachtschiffs “Nyk Orion”, das einer japanischen Reederei gehört, nachdem bestätigt wurde, dass das Schiff mit sieben Containern Finnwalfleisch beladen ist, das aus Islands kommerziellem Walfang stammt. Obwohl der Handel mit Walprodukten laut dem Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (CITES) verboten ist, anerkennen Island und Norwegen dieses Verbot nicht. Können sie dadurch untereinander handeln, bleibt jedoch jeder weitere Handel mit CITES-Mitgliedsstaaten (180+) untersagt!

Das isländische Fleisch wurde dann von der Hafenpolizei von Rotterdam konfisziert und der Frachter legte ohne die Container ab. Bis jetzt ist nicht geklärt, ob das Fleisch später auf die Reise nach Japan gehen darf, wenn sich ein Frachter finden sollte, der bereit ist, die Container zu transportieren.     

Doch Island steht mit diesem Problem nicht allein da. Vertreter der norwegischen Fischereiindustrie appellierten an den Fischereiminister Berg-Hansen, die Subventionen für den Walfang zu erhöhen, da es schwierig ist, das Walfleisch zu verkaufen. Laut dem Norwegischen Rundfunk NRK war der Minister jedoch weniger empfänglich für diese Idee und sagte, es sei an den Walfängern und den Käufern von Walfleisch, ein eigenes Marketingkonzept für das Walfleisch zu entwickeln.

Die norwegische Walfangsaison hat offiziell in der vergangenen Woche begonnen und für diese ein Abschussquote von 1286 Zwergwalen festgelegt, die um 45% höher ist als die Quote von 885 Tieren in der letzten Saison. Doch die Quote reflektiert ganz offensichtlich nicht die Realität der Walfangindustrie in Norwegen, denn in 2009 wurden „nur“ 484 Tiere geschossen und das ist die niedrigste Fangzahl in einem Zeitraum von 10 Jahren. Selbst die Industrie erkennt das Problem: Der Leiter des regionalen Fischerverbandes in der Provinz Nordland Steiner Jonassen sagte in einem separaten NRK-Artikel, dass er befürchte, die Walfangindustrie werde „langsam, aber sicher“ aussterben, wenn die Verkäufe nicht, sowohl durch Marketing also auch durch Export, erhöht würden. 

Quellen: Fish News, NRK