2010-05-31
Ölkatastrophe im Golf von Mexiko - 19 Wal- und Delfinarten betroffen
Im Golf von Mexiko vor der Küste des Bundesstaates Louisiana, USA, fließt nach Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ – wir berichteten – nun bereits seit drei Monaten noch immer Öl ins Meer. Die Zeichen stehen zwar auf ein Ende des Öl-Flusses, aber aufziehende Stürme verzögern das Verschließen des Bohrloches immer wieder.
Öl kann Krebs auslösen
Die ökologischen Folgen der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko sind schon jetzt verheerend - doch manche werden sich erst in zehn Jahren oder später zeigen. In der menschlichen Wahrnehmung sind vor allem die Küsten betroffen, ölverschmierte Vögel, Algen und Mangroven prägen das Bild. Die Verhältnisse weiter draußen entziehen sich jedoch unserer Wahrnehmung und Bilder eines riesigen Ölteppichs sind bestenfalls beeindruckend. Für Wale und Delfine, die darauf angewiesen sind, an der Oberfläche zu atmen, sieht die Welt ganz anders aus: Die Tiere geraten in den Ölteppich und mit jedem Atemzug steigt das Risiko, kleine Ölpartikel einzuatmen. Diese wiederum können ab einer bestimmten Menge nicht mehr abgeatmet werden, kapseln sich später ein, entzünden sich oder führen langfristig zu Krebs. Darüber hinaus sind auch Fische und somit die Nahrungsquelle der Delfine betroffen.
Auswirkungen der "Exxon Valdez" noch heute spürbar
Wale und Delfine sind durch solche Umweltkatastrophen enorm gefährdet. Noch heute hat das beim Tankerunglück der „Exxon Valdez“ vor Alaska 1989 ausgetretene Öl eine starke Auswirkung auf das marine Ökosystem. Es wird vermutet, dass durch diese Ölpest ein Drittel der Orca-Population gestorben ist, vermutlich weil die Tiere giftige Dämpfe eingeatmet oder mit Öl verschmierte Robben gefressen haben. Schlimmer noch: Keines der überlebenden Tiere soll sich bis heute reproduziert haben.

19 Wal- und Delfinarten betroffen
Im Golf von Mexiko leben vermutlich mehr als 19 Wal- und Delfinarten. Zu diesen gehören auch die vom Aussterben bedrohten nördlichen Glattwale, für deren Rettung Millionen Dollar ausgegeben werden und für deren Überleben sogar Schifffahrtslinien verlegt wurden. Außerdem gefährdet sind Pottwale, Brydewale, Große Tümmler, Zügeldelfine, Rundkopfdelfine, Kleinstpottwale und Zwergpottwale.
Welche Auswirkungen Meeresverschmutzung auf Wale und Delfine haben kann, erfahren Sie hier.
Öl-Plattformen bergen unkalkulierbare Risiken
Die WDCS ist auf Grund der aktuellen Öl-Katastrophe zutiefst besorgt über die Sicherheit von Öl-Plattformen und kommentiert vor allem die internationalen Pläne zur Öl- und Gasgewinnung in der Antarktis gegenüber dem Standard kritisch: „Für die Umwelt birgt dies ein kaum kalkulierbares Risiko. Auch wenn von vielen Staaten auf die besondere Umweltfreundlichkeit hingewiesen wird, passiert so etwas trotzdem.“
Die WDCS fordert deshalb:
- eine Absage Obamas an jegliches weiteres Engagement, Bohrungen in US-Gewässern durchzuführen
- eine unabhängige, weltweite Untersuchung der Auswirkungen von Ölkatastrophen
- ein internationales Netzwerk effektiver mariner Schutzgebiete als Rückzugsgebiete für Waltiere, inklusive angemessener Pufferzonen um sie herum
- eine sehr sorgfältige Untersuchung der Örtlichkeiten von Öl- und Gasförderungsanlagen, die nicht in Gebieten errichtet werden sollten, die für Wale und Delfine von besonderer Wichtigkeit sind oder von denen dies vermutet wird
- dass die relevanten Firmen und Behörden immer Basisstudien im Vorfeld der Entwicklung solcher Anlagen durchführen
- dass die relevanten Firmen und Behörden umfassende Notfallpläne sowie angemessene Geldanlagen nachweisen müssen, um auf solche Notfälle reagieren zu können
Quellen: WDCS, LA Times, Der Standard, The Republic
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