02. Juli 2007
Deutsche Delfinarien in heftiger KritikIn den vergangenen Wochen sind im Nürnberger Delfinarium zwei Delfinbabys kurz nach der Geburt gestorben, damit verendeten in den letzten 14 Monaten insgesamt sechs Tiere im Rahmen des Zuchtprogramms.
Auf Rügen soll ein gänzlich neues Delfinarium gebaut werden und das, obwohl ein wissenschaftliches Gutachten deutlich macht, dass die Tiere dort nicht artgerecht gehalten werden können.
Sowohl auf Rügen als auch in Nürnberg setzen die Betreiber auf Investition. Investitionen, die sich durch das Angebot einer Delfintherapie bezahlt machen sollen. In einem Fachgespräch zu dieser Thematik des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN am Donnerstag, den 28. Juni 2007, kommt die parlamentarische Geschäftsführerin und natur- und tierschutzpolitische Sprecherin Undine Kurth zu folgendem Schluss: Ich betrachte es als großen Fortschritt, dass sich alle anwesenden Experten eindeutig gegen die Haltung dieser großen, intelligenten Meeressäuger in Delfinarien ausgesprochen haben, die nicht einmal entfernt ihren natürlichen Lebensraum nachbilden können. Auch BefürworterInnen der Delfintherapien haben betont, dass diese Therapie nur dort durchgeführt werden kann, wo die Tiere freien Zugang zum Meer haben.
Dennoch sollen Millionen in ein veraltetes Haltungskonzept investiert werden. Meeresbiologe Karsten Brensing von der WDCS kritisiert: „Wir können beweisen, dass im Gegensatz zu den offiziellen Aussagen der Delfinarienbetreiber die Zucht in Europa nicht nachhaltig ist und das die Bestanderweiterung der in Gefangenschaft lebenden Tieren ausschließlich (bis auf ein Tier) durch Neufänge zustande gekommen ist.“
In der heute veröffentlichten Antwort der Bundesregierung (Drucksache 16/5589) auf eine Kleine Anfrage der Grünen wird aber ausgeschlossen, dass Delfine zum Zwecke der Delfintherapie eingeführt werden dürfen, da es sich bei der Delfintherapie um eine kommerzielle Nutzung handelt.
Obwohl sich die meisten Menschen in Deutschland gegen Delfinarien aussprechen, tragen sie dennoch das Risiko, denn alle Investitionen werden durch eine Landesbürgschaft gedeckt und somit steht der Steuerzahler in der Pflicht. Karsten Brensing: „Es ist schon heute voraussehbar, dass sich die Situation der Nachzucht durch die Investitionen nicht verbessern lässt. Es ist somit einer Frage der Zeit, bis die Tiere sterben und die Delfinarien irgendwann leer sind.“
In Deutschland wurden bereits fünf von neun Delfinarien geschlossen.
Die WDCS fordert daher die Betreiber zu einer öffentlichen Diskussion.   |