05. Februar 2008

Zukunft der Internationalen Walfangkommission in der Schwebe

Verkauf von Walfleisch zeigt kommerzielle Interessen auf
 
Bei einem Treffen Ende Januar 2008 in der Universität der Vereinten Nationen in Tokio stellte WDCS-Biologin Philippa Brakes die Funktionalität der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Frage. Das Treffen, dessen Gastgeber die in den USA beheimatete Pew Environment Group war und das nicht unter der Schirmherrschaft der IWC stand, hatte zum Ziel, einen neuen Dialog zwischen Pro- und Anti-Walfanggruppierungen entstehen zu lassen.
 
Von Beginn des Treffens zeigte sich eine große Bandbreite an politischen Meinungen. Nichtsdestotrotz waren die Diskussionen in diesem internen Treffen – bei dem Kommentare keinem einzelnen Teilnehmer ohne dessen Erlaubnis zugeschrieben werden konnten – weitaus freundlicher als die Sitzungen der IWC, bei denen die Berichterstattung durch die Medien erlaubt ist. Ungeachtet der relativ geselligen/freundschaftlichen Atmosphäre gab es wenig Anzeichen dafür, dass Japan ernsthaft dazu gewillt ist, den Walfang zu beenden oder weniger Wale zu töten; sogar das kleinste Eingeständnis, Buckelwale dauerhaft aus ihrer Jagd in der Antarktis auszunehmen, blieb offen.
 
Philippa Brakes/WDCSFast ein Drittel der Teilnehmer waren Japaner und im Gegensatz zu den Sichtweisen, die normalerweise von der japanischen Regierung bei den Treffen der IWC vertreten werden, wurde eine bemerkenswerte Breite an verschiedenen Meinungen über den Walfang seitens der japanischen Teilnehmer geäußert. Japanische Sprecher stellten die wahre Beschaffenheit des Walfleischmarktes in Japan, die Kontrollen seitens der Japanischen Fischereiagentur (JFA) über den Sachverhalt sowie die tatsächlich Motivation für die Aggressivität, mit der die JFA ihrer Walfangpolitik nachgeht, und die Auswirkungen, die dies für die japanische Demokratie hat, in Frage.
 
Ungeachtet der aktuellen politischen Sackgasse innerhalb der IWC führten und führen der IWC-Wissenschaftsausschuss und die Kommission selbst sehr nützliche und positive Arbeit durch. Darunter war nicht zuletzt der Beschluss des kommerziellen Walfang-Moratoriums, wohl einer der bedeutendste Schritte der Tierschutzbewegung in der heutigen Zeit. Das Moratorium, oder kommerzielle Walfang-Verbot, kündigte ein neues Zeitalter im Walschutz an, das die IWC nun auf allen Ebenen umsetzen sollte. Des Weiteren führt der Wissenschaftsausschuss zahlreiche Studien über ökologische Gefahren für Waltiere durch und leitet Untersuchungen über die Definition und Abgrenzung von Walpopulationen.   
 
Mark Votier“Ein großer Teil dieser Forschung hat uns gelehrt, dass wir einfach mehr über diese bemerkenswerten Tiere herausfinden müssen, viel mehr. Wir müssen erkennen, dass Wale einer unsicheren Zukunft aufgrund zunehmender und zeitweise auch sich gegenseitig verstärkender, durch den Menschen verursachter Bedrohungen entgegenblicken. Wir sollten auch anerkennen, dass alle Mitglieder der Konvention und eigentlich alle Länder die Verantwortung tragen, sich dieser Bedrohungen anzunehmen. Zu einer Zeit, zu der sich der Rest der Welt Gedanken um die Auswirkungen von „food miles“ (Auswirkungen des Transports von Nahrungsmitteln) macht, ist die japanische Regierung dazu verpflichtet, sowohl die Realität des Rückgangs des einheimischen Marktes für Walfleisch zu erheben als auch den Kohlenstoffdioxidausstoß und andere Auswirkungen auf die Umwelt, die entstehen, wenn jedes Jahr eine Schiffsflotte zur Waljagd in den Nordpazifik und in die unberührten Gewässer der Antarktis geschickt wird“, sagt Brakes.   
 
Philippa Brakes/WDCSIn einem Restaurant und Geschäft in Tokio, das vom Institut für Walforschung unterstützt wird - jener japanischen Einrichtung, die für den „wissenschaftliche Walfang“ verantwortlich ist -, stehen die Produkte von dieser „Forschung“ neben Wal-Plüschspielzeugen zum Verkauf.  Die kommerzielle Absicht dieser so genannten „Forschung“ wird offensichtlich. 
 
Philippa Brakes/WDCS“Den Besuchern dieses Outlets bleibt wenig Zweifel, dass die japanischen Walfangprogramme in der Antarktis und im nördlichen Pazifik kommerziellen Hintergrund haben. Das Fleisch, der Blubber und die Haut der getöteten Wale werden in verschieden – und oft modernen – Aufmachungen verkauft, darunter auch Walfleisch-Curry“, sagt Brakes.
 
Philippa Brakes/WDCSUngekennzeichnetes Zwergwalfleisch, das auf dem Tsukjii-Fischmarkt in Tokio gefunden wurde, zeigt außerdem, wie dürftig die Regelung für den Verkauf der Produkte des „wissenschaftlichen Walfangs“ ist. Auch werden die Schwierigkeiten für die Verbraucher deutlich, zwischen den zum Verkauf angebotenen Arten zu differenzieren und zu bestimmen, ob die Wale aufgrund des so genannten „wissenschaftlichen Walfangs“ Japans oder als „direkter Beifang“, bei dem Fischer an den Küsten Japans Wale in Netze treiben, getötet wurden.
 
Ein zwischenzeitliches IWC-Treffen ist für Anfang März geplant, bei dem die Zukunft der Kommission diskutiert werden soll.
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01. August 2010
 
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Jenny
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