19. Juni 2008

Grönlands Walfang außer Kontrolle

Kurzbericht von Nicolas Entrup zur Kommerzialisierung des Walfangs in Grönland aus Santiago de Chile von der 60. Jahrestagung der IWC.

Die Kommerzialisierung des Indigenen Walfangs ist ein Faktum, gleichzeitig spielen dabei aber auch viele andere Faktoren eine Rolle, nämlich jene, dass man nicht mehr ausschließlich von „Indigenem Walfang“ sprechen kann. Auf Grund der „Vertraulichkeitsregelgung“ kann ich an dieser Stelle noch keine neuen Fakten berichten, die in den Arbeitsgruppen hier diskutiert wurden. Die Diskussionen verliefen jedoch „intensiv“.

Hier zur Erinnerung einige Kritikpunkte an der Entwicklung der Waljagd in Grönland:

Im Jahr 2007 behauptete die Vertretung Grönlands bei der IWC, dass der Bedarf an Walfleisch auf 730 Tonnen jährlich gestiegen sei, mit dem Vermerk, dass die Population des Landes seit 1991 um mehr als 9% gestiegen sei. Detaillierte Angaben über die Entwicklung der indigenen und der nicht-indigenen Bevölkerung wurden keine gemacht. Grönland forderte von der IWC zusätzlich zu der bestehenden Fangquote 25 Westgrönländische Zwergwale sowie zwei Grönlandwale und 10 Buckelwale.

Der Wissenschaftsausschuss sah sich nicht in der Lage, mehr als eine Übergangsempfehlung zu Zwerg- und Grönlandwalen zu erteilen, was bedeutet, dass nicht sichergestellt ist, dass die beantragte Quote über fünf Jahre nachhaltig ist. Der Wissenschaftsausschuss konnte keine Empfehlung über die Nachhaltigkeit der Buckelwalquote erteilen.

-) Obwohl Grönland behauptet, den Eigenbedarf an Walfleisch nicht decken zu können, hat es wiederholt weniger Wale gejagt als die aktuelle Quote vorsieht. Trotzdem fordert die Vertretung Grönlands eine Anhebung der Fangquoten und Ausweitung der Jagd auf neue Arten.

-) Grönland bedient sich zweifelhafter “Umrechnungsfaktoren”, um den Fleischanteil von Zwerg-, Buckel- und Finnwalen zu berechnen (jeweils zwei, acht bzw. zehn Tonnen). Grönland hat eingeräumt, dass es sich um Minimumfaktoren handelt, “zu denen eine unbekannte und  variable Menge an anderen essbaren Produkten hinzugezählt werden muss, um die Gesamtmenge an essbaren Produkten zu erreichen“. Würde Walspeck in den Umrechungsfaktor einbezogen werden, so würde der Fleischertrag pro Wal signifikant ansteigen und die Anzahl an Walen reduzieren, die notwendig sind, um den Bedarf zu decken.

-) Durchschnittlich werden in Grönland jährlich mehr als dreitausend Kleinwale in vollkommen unregulierten Jagden getötet. Seit 2003 waren dies durchschnittlich 2611 Schweinswale, 17 Schwertwale und 249 Grindwale. Diese Jagden werden nicht an die IWC berichtet.

-) Auch die Jagd auf zwei weitere Kleinwalarten, Belugas und Narwale, steht in der Kritik. Durchschnittlich wurden seit 2003 jährlich 278 Belugas und 575 Narwale getötet. Wissenschaftliche Empfehlungen, die Anzahl der getöteten Tiere dieser beiden Arten dramatisch zu reduzieren, werden bisher ignoriert.

Kommerzialisierung der Waljagd in Grönland

-) Obwohl die IWC der Quote Grönlands nur zustimmt, um den lokalen Subsistenzbedarf indigener Gemeinden zu decken, erfährt die Nutzung von Walprodukten in Grönland eine verstärkte kommerzielle Ausrichtung. Zwischen den Jahren 2001 und dem ersten Halbjahr 2006 kaufte NUKA A/S (eine Nahrungsweiterverarbeitungsfirma in Regierungsbesitz, die nun Arctic Green Foods heißt) 17% der von den Walfängern gelandeten Zwergwale und verkaufte das Fleisch der Zwergwale in ganz Grönland, auch in Supermärkten. Die gleichen Verteilungswege werden für das Fleisch von Kleinwalen und den Export zu in Dänemark lebenden Grönländern eingesetzt.

Kein Management!

Es gibt innerhalb der IWC keine Vorgaben an Staaten, wie indigener Walfang zu regulieren ist, sowie keine klaren Definitionen zu den Kriterien dessen. Somit wird dies von kommerziell ausgerichteten Unternehmen ausgenutzt und führt zu einem Anstieg der Anzahl getöteter Wale.

Neuer Bericht setzt Dänemark unter Druck

Ein aktueller Bericht der World Society for the Protection of Animals (WSPA) „Exploding myths. An exposé of the commercial elements of Greenlandic Aboriginal Subsistence Whaling“ setzt die dänische Regierung gehörig unter Druck.

Der WSPA-Bericht untermauert diese Kritik basierend auf einer vor Ort Recherche in Grönland, die im Wesentlichen zu folgenden Ergebnissen gelangt:

-) seit dem Frühjahr 2007 wurden 25% der verfügbaren Walprodukte in Grönland von der Firma „Arctic Green Food“ verarbeitet und kommerziell verbreitet.
-) die Einnahmen aus der Veräußerung dieser Produkte werden auf 1 Million US$ geschätzt.
-) die teils gefrorenen, teils getrockneten und verarbeiteten Produkte werden über Supermärkte (insgesamt 114) im gesamten Land verbreitet
-) durchschnittlich wird ein Kg Walfleisch für 17,2 US$ veräußert (maximaler Wert: 79,- US$ pro Kg)
-) das Walfleisch kann von jeder Person gekauft und konsumiert werden (inkl. ausländischer Touristen)
-) der erzielte Preis liegt um zwischen dem 2,5 und 20fachen Wert, den die lokalen Walfänger für die Veräußerung der Produkte erhalten


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03. September 2010
 
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Jenny
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