20. Juni 2008
Berichterstattung zur DelfintherapieDelfintherapie hat Konjunktur. Doch hinter der oftmals als Wundertherapie für geistig und körperlich behinderte Kinder dargestellten Methode verbergen sich meist wenig mehr als die kommerziellen Interessen von Delfinarien. Dies ist das Fazit einer von der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS vorgestellten Studie zur tiergestützten Therapie mit Delfinen. Wissenschaftlich haltbare Beweise, dass die Therapie mit den durch „Flipper“ berühmt gewordenen Sympathieträgern besser als andere Therapien wirken, sind nicht erbracht.
Selbst Mitbegründer der exotischen Behandlungsmethode bezweifeln inzwischen deren Nutzen. Doch die Delfintherapie hat sich zu einem finanziell lukrativen Geschäftszweig entwickelt. „Ein in Gefangenschaft gehaltener Delfin ist ein schwimmender Goldesel“, sagt Dr. Karsten Brensing, der auf die astronomischen Kosten verweist. So werden für fünf Einheiten Delfintherapie à 40 Minuten 2000 US-Dollar und mehr berechnet, zu denen noch Flüge, Hotel und Verpflegung kommen. „Die finanzielle Belastung für einen dreiwöchigen Aufenthalt in Florida summiert sich schnell auf 10.000 – 15.000 € für eine dreiköpfige Familie“, so Brensing, der 2004 über Delfintherapie promoviert hat. Brensing kennt durchaus die Verzweiflung der Eltern, die verständlicherweise sämtliche Therapien für ihre Kinder ausschöpfen und im Gegensatz zu den Therapeuten auch immer wieder Erfolge beobachtet haben wollen. Er wehrt sich aber gegen die pseudowissenschaftliche und manipulative Vermarktung von Delfintherapie durch kommerzielle Anbieter von Delfinshows.
Die Studie „Delfintherapie: eine Faktensammlung“ analysiert die Therapieform jenseits der durchaus verführerischen Klischees und informiert die Öffentlichkeit über die „Risiken und Nebenwirkungen“ dieser Therapie. Dazu gehören auch ein verstärktes Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier und die vermehrte Entnahme von Delfinen aus der freien Wildbahn.
WDCS-Bericht: Delfintherapie: eine Faktensammlung
Weitere Informationen zur Arbeit der WDCS gegen die Haltung von Walen und Delfinen in Gefangenschaft  |