26. Juni 2008
IWC: Japan zieht Antrag auf Küstenwalfang zurückDie WCDS und die japanische Organisation IKAN (Iruka and Kujira Network) sind hocherfreut, dass Japan seinen Antrag auf eine Walfang-Quote für seine Küstengemeinden zurückgezogen hat.
Seit das kommerzielle Walfang-Verbot vor mehr als 20 Jahren in Kraft getreten ist, hat Japan jedes Jahr bei der internationalen Walfangkommission einen Antrag eingebracht, den es als „Notfallsplan“ bezeichnete: den Antrag auf eine Fangquote für Zwergwale im Rahmen des Küstenwalfangs für die vier japanischen Gemeinden Taija, Wada, Ayukama und Abashiri. Denn diese leiden der japanischen Regierung zufolge als direkte Folge des Walfang-Moratoriums an finanziellen Engpässen und dem Zerfall ihrer Kultur. Die IWC hat diese Anträge regelmäßig abgelehnt, da eine Genehmigung der Jagd auf Zwergwale und des Verkaufs des Walfleisches gegen das Moratorium verstoßen würde. In diesem Jahr hat sich Japan eine andere Strategie ausgedacht und argumentiert, dass die Jagd, Verarbeitung und Verteilung des Fleisches nicht kommerzieller Natur ist und sein Küstenwalfang mit dem Indigenen Subsistenzwalfang in Grönland gleichzusetzen ist. Nicolas Entrup, Sprecher der WDCS Deutschland vor Ort, kommentiert: „Es ist eine große Erleichterung für uns, dass Japan seinen schlecht verdeckten und zu Uneinigkeit führenden Versuch, das Moratorium auf kommerziellen Walfang aufzuheben, fallen gelassen hat. Die japanische Argumentationslinie für die Notwendigkeit dieser Jagd ist jedoch weiterhin irreführend und noch dazu falsch, wie unsere Studien zeigen.“
„Japan hat jedoch deutlich gemacht, dass es im Rahmen der Verhandlungen über die Zukunft der IWC darauf bestehen wird, den kommerziellen Walfang in Küstengewässern zu legalisieren, wodurch wir nur Zeit gewonnen haben“ fügt Entrup hinzu.
Ein neuer WDCS/IKAN-Bericht, der Japans Rechtfertigung für den neuen Quotenantrag unter die Lupe nahm, kommt zu dem Schluss, dass die Argumentation des „Walfangs für Küstengemeinden“ irreführend und falsch ist. Im Gegensatz zu dem, was Japan als Grund für die neuen Quoten anführt, zeigen entscheidenden Ergebnisse des Berichts, dass Walfang kaum sozioökonomische oder kulturelle Bedeutung für die Mehrheit dieser Gemeinden hat. Die wichtigsten Ergebnisse des WDCS/IKAN-Berichts: • Zwei der Gemeinden haben keine kulturelle Geschichte des Küstenwalfangs von Zwergwalen – sie haben niemals zuvor in ihren Küstengewässern Großwale gefangen; • Die Gemeinden verkaufen bereits jetzt Fleisch von Delfinen und Kleinwalen aus Küstennähe, betreiben also kommerziellen Fang von Waltieren. Es ist unmöglich, nicht-kommerziellen Walfang zu regulieren, wenn bereits kommerzielle Kanäle bestehen; • Obwohl alle kommerziellen Walfangaktivitäten, die Zwergwale betreffen, im Jahr 1987 aufhörten, hat Japans Jagd auf Kleinwale von den 1990er Jahren an eine Periode starken Wachstums erfahren, da es den Markt für von anderen Arten stammendes, frisches Walfleisch beherrschte; • Jegliche finanzielle Belastung der betroffenen Gemeinden resultiert aus der Konkurrenz mit Japans massiven Walfangaktivitäten unter dem Deckmantel der Wissenschaft und der sinkenden Nachfrage (und der fallenden Preise) für Walfleisch; • Seit 2002 haben die Gemeinden an Japans wissenschaftlichem Walfang von Zwergwalen teilgenommen und das Fleisch kommerziell veräußert. • Der Küstenwalfang von Zwergwalen wird nicht in den Küstengewässern von Abashiri, Wada oder Taiji stattfinden. Es würde sich um eine zentralisierte, kommerzielle Aktivität handeln, die von Ayukawa aus durchgeführt würde. Das Fleisch würde in die anderen drei Gemeinden transportiert werden. Nanami Kurasawa von IKAN erläutert: “Japan behauptet, im besten Interesse dieser vier Gemeinden zu handeln. Die Argumente sind jedoch äußerst dürftig. Unsere umfassende Studie und die genauen Nachforschungen und Überprüfungen historischer Informationen über den Küstenwalfang von Zwergwalen in Japan haben ergeben, dass die japanische Regierung zynischerweise diese Gemeinden benutzt, um die IWC zu manipulieren“.
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