21. August 2008
Wilder Delfin bringt Artgenossen Kunsstücke beiWilder Delfin bringt Artgenossen Kunsttücke bei
In Australien bringt ein wilder Delfin Artgenossen das Kunststück des „Laufens“ auf der Schwanzflosse bei - ein Verhalten, das in freier Natur extrem selten vorkommt, aber weltweit ein sehr beliebtes Kunststück bei Trainern in Delfinarien ist.
Forscher der WDCS waren überrascht, als sie sahen, wie einige Delfine einer Gruppe, die in den Gewässern vor Adelaide (Australien) lebt, dieses Kunststück ausführten. Sonst sieht man dies eigentlich nur bei in Gefangenschaft lebenden Delfinen, wenn sie darauf trainiert worden sind, das Publikum dadurch zu unterhalten, dass sie senkrecht aus dem Wasser schießen und sich dann rückwärts bewegen, während sie fast aufrecht in der Luft stehen und sozusagen über das Wasser „laufen“.
Wie es scheint, hat Billie, ein weiblicher Großer Tümmler, sich dieses ungewohnte Verhalten schon vor fast 20 Jahren während einer kurzen Zeit der Gefangenschaft angeeignet. In den frühen 1980ern geriet sie in die Schleuse eines Jachthafens, kam nicht ins Meer zurück und wurde so vom ortsansässigen Delphinarium gefangen. Drei Wochen wurde Billie in einem Betonbecken gehalten, bevor sie wieder in die Freiheit entlassen wurde - markiert mit einer „3“ auf ihrer Rückenflosse, um sie leicht erkennen zu können.
Obwohl sie während dieser Zeit nicht trainiert wurde, scheint es, als hätte Billie beobachtet, wie ihre Beckengenossen für das Kunststück des „Schwanzflossenlaufens“ mit Futter belohnt wurden und sich dieses Verhalten dann selber angeeignet. Nachdem sie aus dem Delphinarium freigelassen wurde, kehrte Billie in ihren gewohnten Lebensraum zurück und offensichtlich hat sie die während ihrer Gefangenschaft erworbenen Fertigkeiten weitergegeben.
Dr. Mike Bossley von der WDCS Australien sagt: “Ich beobachte alle ansässigen Delfine seit vielen Jahren und habe in der Zeit seit ihrer Freilassung gelegentlich gesehen, wie Billie das „Schwanzflossenlaufen“ vollführt - manchmal in der Bugwelle großer Schiffe - ein fantastischer Anblick!“
„Vor etwa fünf Jahren begann dann ein anderer weiblicher Delfin namens Wave, das gleiche Verhalten an den Tag zu legen, jedoch mit größerer Regelmäßigkeit als Billie. Ein dritter weiblicher erwachsener Delfin wurde ebenfalls beim „Schwanzflossenlaufen“ beobachtet.“
Es ist nicht bekannt, warum die Delfine von Adelaide angefangen haben, dieses Verhalten zu zeigen, obwohl derzeit Untersuchungen laufen, mit denen festgestellt werden soll, ob es sich bei diesem Verhalten vielleicht um eine Form des Spiels oder der Kommunikation handeln könnte. Ebenso soll herausgefunden werden, ob vielleicht noch weitere Mitglieder dieser Delfingruppe die Fähigkeit des „Schwanzflossenlaufen“ übernehmen.
Dr. Mike Bossley erläutert: “Ungeachtet der Funktion scheint es, als ob das „Schwanzflossenlaufen“ in den Gewässern vor Adelaide ein weiteres Beispiel für kulturelles Verhalten bei höher entwickelten Tieren darstellt. Unter kulturellem Verhalten verstehen wir ein Verhalten, das unter den Individuen weitergegeben wird und so charakteristisch für eine bestimmte soziale Gruppe ist.“
Das berühmteste Beispiel hierfür lieferte Jane Goodalls Entdeckung, dass Affen im Gombe-Strom-Reservat Zweige zum Erbeuten von Termiten benutzen. Neuere Beispiele wurden bei Delfinen entdeckt, darunter eine kleine Gruppe von Delfinen vor Westaustralien, die Schwämme über ihren Schnautzen trage, wenn sie auf dem Meeresgrund nach stacheligen Fischen suchen.
Dr. Mike Bossley fügte hinzu: „Wenn es sich beim „Schwanzflossenlaufen“ um echtes kulturelles Verhalten handelt, dann wird es sich nach und nach innerhalb der hiesigen Population verbreiten, wahrscheinlich indem es von den Jungtieren übernommen wird. Die WDCS wird ihre stille, zurückhaltende Beobachtung dieser rätselhaften Tiere fortsetzen und weiterhin das Verhalten der wilden Delfine dokumentieren.“
Cathy Williamson Leiterin der WDCS Kampagne gegen die Gefangenschaftshaltung von Delfinen,, sagt: “Dieses Verhalten der Delfine vor Adelaide veranschaulicht ihre Intelligenz und ist ein weiterer Beweis dafür, dass diese Tiere für die Haltung in Gefangenschaft völlig ungeeignet sind, weil es ihnen dann völlig unmöglich ist, ihr natürliches Verhalten zu äußern oder normale soziale Gruppen mit anderen Tieren zu bilden.
Auf http://au.youtube.com/watch?v=OlB7oVP8MPY dokumentiert ein kurzer Film das ungewöhnliche Verhalten.  |