06. Juni 2007

Absage an „Wal-Biodiversität“ auf der Speisekarte

Den Haag, 5.Juni 2007. Japan und Island scheitern bei der internationalen Artenschutzkonferenz (CITES/Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) in Den Haag mit dem Versuch, den Handel mit Walprodukten zu legalisieren. Eine Woche nachdem die Internationale Walfangkommission (IWC) den ambitionierten Plänen der japanischen Walfänger eine Absage erteilt hatte, ist damit auch der zweite Versuch der Japaner, das seit 1982 bestehende Walfangverbot zu unterwandern, gescheitert.

Dabei hatten die Japaner versucht, mit dem harmlos klingenden Begriff einer “Überprüfung aller Großwalbestände” bei der Artenschutzkonferenz (CITES) die Kompetenz der Walfangkommission IWC zu unterminieren. Traditionell verlässt sich CITES auf die Empfehlungen der für die Regulierung des Walfangs zuständigen IWC und entscheidet dann, ob auch der Handel zu verbieten ist. Die IWC hatte aber in der Vorwoche in Anchorage eine eindeutige Empfehlung abgegeben, dass Wale weiterhin bedroht sind und eine Legalisierung des Handels mit Walprodukten diese Situation verschärfen würde.

Die japanischen Walfänger allerdings suchen nach neuen Absatzmärkten für Walprodukte, die unter dem Deckmantel des wissenschaftlichen Walfangs angehäuft werden und jährlich mehr als 1000 Walen das Leben kosten. Dabei geraten bedrohte und gefährdete Arten, darunter Zwerg- und Pottwale sowie Bryde-, Sei- und Finnwalen ins Visier der Walfänger. Während der kommerzielle Walfang international untersagt, so ist das Töten von Walen für die wissenschaftliche Forschung gänzlich unreguliert. „Ernsthafte Forschungsergebnisse haben aber weder Japan noch die anderen Walfangstaaten bisher präsentieren können“, so Nicolas Entrup, Sprecher der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS. „Der einzige erkennbare Effekt ist, dass die Speisekarten in japanischen Restaurants immer umfangreicher werden. Uns geht es jedoch um einen umfassenden Walschutz und die Erhaltung der Artenvielfalt in der Natur und nicht auf der Speisekarte.“ Mit nächstem Jahr will Japan auch 50 Buckelwale in dem seit 1994 bestehenden antarktischen Walschutzgebiet töten.

Der Antrag Japans sah vor, alle Walarten, die in Anhang I bei CITES gelistet sind, einem Überprüfungsverfahren zu unterziehen, das zu einer Herablistung einiger Arten führen soll, um den internationalen Handel zu legalisieren. Eine solche Situation würde die Jagd auf Wale finanziell lukrativ und das bestehende Walfangverbot unvollziehbar machen.

Island hatte vergangenen Herbst 2006 im CITES-Tierausschuss einen Antrag zur Überprüfung der Situation des Nordatlantischen Finnwales eingebracht, der zunächst auch – entgegen CITES-Bestimmungen – Zustimmung erhielt. Die Vertragsstaatenkonferenz hat jedoch im Anschluss an die Diskussion über Japans Antrag den Prozess im Tierausschuss gestoppt. „Die Walfänger versuchen mit allen Mitteln und auf allen Wegen, den Handel mit Walprodukten zu legalisieren“, ergänzt Entrup.

Japans Antrag wurde mit 28 (Zustimmung) zu 55 (Ablehnung) und 13 Enthaltungen abgelehnt. Das genaue Resultat wird erst am Folgetag veröffentlicht, da es gegenwärtig mit dem elektronischen Abstimmungsverfahren technische Probleme gibt.

Islands Vorstoß zu einer Überprüfung der Situation des Finnwals wurde ebenfalls abgewiesen und der Tierausschuss aufgefordert, die Überprüfung nicht durchzuführen.

Japan hat noch die Möglichkeit, den Antrag in der kommenden Woche in abgeänderter Form noch einmal einzubringen und zur Abstimmung zu bringen.

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