15. September 2010

Erster Buckelwal in Grönland getötet

Grönländischen Radioberichten zufolge tötete ein Krabbenfischer aus Paamiut am 31. August den ersten Buckelwal– dies verletzt nach Ansicht der WDCS die Regularien der Internationalen Walfangkommission (IWC) und bedeutet seit Jahrzehnten erstmals eine Rückkehr zum Buckelwalfang in Grönland.

Keine kommerzielle Jagd auf Buckelwale seit 1986

Die Internationale Walfangkommission (IWC) hat den Buckelwalfang mit der Einführung des kommerziellen Walfangverbots im Jahr 1986 verboten. Seitdem war es der indigenen Bevölkerung Grönlands erlaubt, im Rahmen des so genannten indigenen Subsistenz-Walfangs (ASW) weiterhin Großwale – wie Finn-, Zwerg- und Grönlandwale - zu fangen, um die existenziellen und kulturellen Bedürfnisse der Inuit-Gemeinden zu erfüllen.

Kuhhandel mit Walen bei der IWC-Tagung 2010

Grönland hat nach drei gescheiterten Versuchen, die IWC von einem gesteigerten Bedarf nach Walfleisch zu überzeugen, im letzten Juni die Erlaubnis erhalten, neun Buckelwale pro Jahr zu töten. Obwohl Grönland in einem Brief an die Kommission zugegeben hat, dass es einer Verletzung der IWC Regularien gleich käme, wenn die Jagden vor Mitte Oktober beginnen würden, scheint es, dass die grönländische Regierung den Jägern bereits jetzt grünes Licht für die Jagd gegeben hat. Dies soll die Chancen erhöhen, Buckelwale zu erlegen, bevor diese möglicherweise in die wärmeren Gewässer der Karibik ziehen, um sich dort fortzupflanzen.

WDCS deckt kommerzielle Nutzung des Walfleisches in Grönland auf

Die WDCS ist gegen diese Fangquote für Buckelwale, vor allem, weil Grönland bisher nicht ausreichend dargestellt hat, dass ein größerer Bedarf für Walfleisch besteht. Die WDCS hat außerdem aufgedeckt, dass ein großer Teil des Walfleisches, das unter dem Deckmantel der Eigenbedarfsquote gefangen wurde – darunter auch vollständige Wale – durch kommerzielle, weiterverarbeitende Betriebe an Supermärkte in ganz Grönland verkauft wurde. Dort ist das Fleisch auch für Nicht-Grönländer, also auch Touristen, zugänglich. Man kann Walfleisch außerdem in Hotels und Restaurants kaufen.

Buckelwale sind kommerziell vielversprechender

“Durch diesen Kuhhandel beim IWC-Treffen hat Grönland in Wirklichkeit mehr Walfleisch aufgegeben, als es durch die Fangquote für die Buckelwale gewonnen hat. Wir bezweifeln, dass Grönland die Buckelwalquote wirklich angestrebt hat, um den Eigenbedarf der indigen Bevölkerung zu decken, sondern vielmehr, weil diese neue Walart kommerziell vielversprechender ist, als die Arten, die bisher gefangen wurden“, so Sue Fisher, Walfang-Expertin bei der WDCS, zu den Motiven Grönlands.

Der ansteigende Tourismus in Grönland und der davon abhängige Wirtschaftssektor könnten durch die Jagd auf Buckelwale gefährdet sein. Das Beobachten von Buckelwalen wird immer populärer und wichtiger in Grönland – deshalb haben sich viele Reiseveranstalter und Tourismusverbände gegen die Jagd ausgesprochen, da sie um ihre Existenz fürchten.

WDCS untersucht Legalität der Jagd Ende August

Laut der “90-Tage-Regel” der IWC tritt eine neue Fangquote rechtlich erst nach 90 Tagen in Kraft. Die IWC hat diese Regel in diesem Fall nicht aufgegeben und so ist es Grönland eigentlich verboten, vor Mitte Oktober mit der Buckelwaljagd anzufangen. Die WDCS untersucht derzeit die Legalität der Jagd Ende August sowohl unter dem Gesichtspunkt der IWC Regularien, als auch hinsichtlich der inländischen Gesetze.

Quellen:  KNR news, NAMMCO, WDCS International

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