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15. März 2010
Narbengesicht unter den Delfinen: Der RundkopfdelfinRundkopfdelfine, auch Rissos-Delfine genannt, haben eine einzigartige äußerliche Erscheinung: Vernarbt von Kopf bis Fluke sorgen die Tiere für Aufsehen. Schuld an den vielen weißen Narben ist vor allem ihre Hauptbeute, der Kalmar, den sie in großer Tiefe jagen. Aber auch unter den Artgenossen herrscht mitunter ein „rauher Ton“: Während ihrer intensiven sozialen Interaktionen fügen sie sich untereinander Narben durch Kratzen mit den Zähnen zu. Nur an der Vorderseite des Unterkiefers sitzen Zähne, die beim Spielen oder Kämpfen eingesetzt werden.

Narbenmuster identifiziert einzelne Tiere
Im Allgemeinen nimmt die Vernarbung deshalb mit dem Alter zu und besonders ältere Rundkopfdelfine können dadurch einen überwiegend weißen Kopf haben. Anhand des Narbenmusters und anhand von Besonderheiten an der Rückenflosse ist es möglich, Rundkopfdelfine individuell zu erkennen. Die männlichen Tiere werden knapp vier Meter lang und bringen gut 500 kg auf die Waage. Als weitverbreitete Tierart ist der Rundkopfdelfin in allen temperaten und tropischen Meeren anzutreffen, allerdings wissen wir bis dato noch nicht viel über diese Delfinart, da sie sich bevorzugt in tiefen, küstenfernen Gewässern aufhält.
Immer in Gesellschaft
Rundkopfdelfine können an der Oberfläche eine Reihe von Verhaltensweisen zeigen, etwa Sprünge oder „Spyhopping” (den Kopf aus dem Wasser strecken, um sich umzusehen). Sie reiten nicht auf Bugwellen, schwimmen aber gelegentlich im Kielwasser von Schiffen oder surfen auf Wellen. Die typische Gruppengröße umfasst 10 bis 50 Rundkopfdelfine, es wurde aber auch von Schulenbildungen mit bis zu 4000 Tieren berichtet.

Linienformation bei der Jagd
Rundkopfdelfine bevorzugen tiefere, küstenferne Gewässer, wo sie sich fast ausschließlich von Kalmaren und Krustentieren ernähren. Es wurde sogar beobachtet, dass sie in Linienformation jagen. Sie vergesellschaften sich auch mit anderen Waltierarten, z.B. mit Großen Tümmlern und Grindwalen.
 Mark Simmonds, wissenschaftlicher Direktor der WDCS, berichtet von Rundkopfdelfinen im Nordatlantik:
„Rundkopfdelfine sind eine faszinierende Art. In den Gewässern des Nordatlantiks sind sie typischerweise eher scheu, obwohl ihr Auftreten unterschätzt werden könnte, da es sich um große graue Delfine handelt, die auf die Ferne für die gleich großen Großen Tümmler gehalten werden können, deren Körperbau ähnlich ist. Beim laufenden Feldforschungsprojekt der WDCS im nördlichen Cardigan in Wales treffen wir die Tiere häufig an und es sieht so aus, als ob dieses Gebiet wichtig für sie wäre, auch für die Aufzucht ihrer Kälber. Über die Tiere ist nur wenig bekannt, was es schwierig macht, Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Auch haben wir wenig Ahnung über Populationsgrößen. Wenn jedoch Gegenden identifiziert werden können, die für die Tiere von Bedeutung sind, so ist das ein guter Ausgangspunkt für Schutzpläne.“
Gehetzt und gejagt
Auch Rundkopfdelfine fallen den grausamen Delfintreibjagden in Japan regelmäßig zum Opfer – jährlich sind es laut IUCN zwischen 200 und 500 Tiere. Ihr Fleisch wird in Japan gegessen, obwohl es, wie auch bei anderen Delfinarten, die dort gejagt werden, mitunter stark mit Giftstoffen belastet ist. Auch die Delfinarienindustrie hat es auf die Delfine mit der einzigartigen Körperzeichnung abgesehen: Zwischen 1986 und 1999 wurden 40 Rundkopfdelfine lebend für Delfinarien gefangen. Der letzte Fang ist gerade einmal 3 Monate her: Erst im Dezember letzten Jahres wurde der WDCS berichtet, dass in der Bucht von Taiji 6 Rundkopfdelfine aus einer Gruppe von über 30 Tieren ausgewählt und lebend an Booten fixiert in den nahen Hafen des Fischerorts transportiert worden sind. Von den verbliebenen Delfinen wurden über 20 Tiere getötet.
Hier klicken für den Augenzeugenbericht vom 18. Dezember 2009..

Kamera statt Messer
Von den 39 Wal- und Delfinarten, die in den Gewässern Japans leben oder diese gelegentlich aufsuchen – unter ihnen auch der Rundkopfdelfin - , können ganze 20 Arten regelmäßig von mehr als einem Dutzend Walbeobachtungpunkten entlang der japanischen Küste beobachtet werden. Seit 1988 haben über 1,5 Millionen Japaner Wale und Delfine in Freiheit beobachtet. Der zarte Erfolg dieses neuen Wirtschaftszweigs in Japan lässt hoffen, dass auch die Gemeinden, die weiterhin Treibjagden durchführen, irgendwann das große Potential sanfter Walbeobachtung erkennen.
Hier können Sie gegen die Treibjagden in Japan aktiv werden!
Die größten Gefährdungsfaktoren für den Rundkopfdelfin sind neben der direkten Bejagung, die z.B. auch in Sri Lanka, Taiwan und auf den Philippinen stattfindet, Beifang in Fischernetzen, der Klimawandel und die Lärmverschmutzung der Meere.
Hier klicken für weitere spannende Fakten zum Rundkopfdelfin!
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