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12. April 2010

Unsere Art der Woche: Der „richtige“ Wal

Südliche Glattwale (Eubalaena australis) tragen im Englischen den Namen „Right whales“ – die „richtige Wale“. Dieser Name rührt aus den Anfängen der Walfanggeschichte – die Walfänger betrachteten diese Tiere als geeignet für die Jagd. Glattwale sind zum einen sehr langsam (und deshalb ist es leicht, sich ihnen zu nähern), sie leben außerdem nahe der Küste und treiben nach ihrem Tod an der Oberfläche. Aus Glattwalen wurden große Mengen an Öl, Fleisch und Barten gewonnen. Der Südliche Glattwal, der durch kommerziellen Walfang beinah ausgerottet wurde, erholt sich nur langsam.

Südliche Glattwale – die südlichen ihrer Art

Südliche Glattwale paaren sich und kalben in den Küstengewässern Chiles, Argentiniens, Brasiliens, Südafrikas, Südaustraliens und einiger Inseln in der südlichen Hemisphäre. In den Sommermonaten ziehen sie in Gewässer um den antarktischen Kontinent, um dort zu fressen. Die den Südlichen Glattwalen sehr ähnlichen Nördlichen Glattwale leben nur auf der Nordhalbkugel und kreuzen sich nie mit den Südlichen Glattwalen, auch Südkaper genannt.

Blinde Passagiere: Walläuse

Südliche Glattwale haben große Auswüchse am Kopf, woran man sie leicht erkennen kann. Die auf diesen Schwielen lebenden "Walläuse" lassen sie weiß, rosa, gelb oder orange erscheinen. Südkaper besitzen mehr solcher Auswüchse auf ihrer Unterlippe und weniger auf dem Kopf als Nordkaper. Und obwohl es noch einige andere Unterschiede gibt, sind die beiden Spezies doch nahezu identisch. Die größte der Kopfschwielen sitzt auf der Spitze des Oberkiefers und wird als "Mütze" bezeichnet. Südkaper zeichnen sich durch sehr breite Rücken aus, denen die Finne fehlt. Der Kopf ist sehr groß, die Kieferlinie gebogen und die Brustflossen sind ebenfalls groß und breit.

Zwei Blaslöcher

Die Schwanzflosse besitzt in der Mitte eine tiefe Kerbe und ihre Kanten sind breit, glatt und konkav geformt. Die Haut der Tiere ist schwarzbraun mit weißen Flecken auf der Bauchseite. Die Barten werden 2,8 Meter lang und sind normalerweise dunkelbraun, grau oder schwarz gefärbt. Unterwasser können sie gelb erscheinen und bei jüngeren Tieren sind sie generell heller gefärbt. Auf jeder Seite des Oberkiefers finden sich 220 bis 260 Bartenplatten mit fransigen Rändern. Südliche Glattwale haben zwei Blaslöcher und ihr Blas ("Atemwolke") ist breit und V-förmig. Er kann bis zu 5 Metern hoch werden. Neugeborene Kälber sind zwischen 4,5 und 6 Metern lang. Ausgewachsene Tiere messen zwischen 11 und 18 Metern. Südkaper wiegen bei der Geburt etwa eine Tonne, ausgewachsene Tiere zwischen 30 und 80. Sie ernähren sich von Krill und/oder andere Kleinkrebse (Crustaceen).

WDCS Forschung in Argentinien

Seit 1991 unterstützt die WDCS das Vorhaben der Organisation “Fundación Cethus”, die seltenen Commerson-Delfine in Südpatagonien zu erforschen. Seitdem sind viele spannende Erkenntnisse über diese Art gewonnen worden. Im Rahmen dieses Projekts konnten die Studien auf viele weitere Arten der Region ausgeweitet werden – darunter der Peale-Delfin, der Seiwal und auch der Südliche Glattwal.

Mysteriöses Kälbersterben gibt Rätsel auf

Vor ein paar Jahren begannen Glattwale an der argentinischen Küste Patagoniens angespült zu werden. Bis dato zählen Wissenschaftler ganze 308 tote Wale seit 2005.

Bei circa 88 Prozent der Todesfälle handelte es sich um Kälber, die weniger als drei Monate alt waren. Merkwürdigerweise hatten viele der angespülten Körper eine untypisch dünne Fettschicht (Blubber). Die gefundenen toten Kälber schließen beinah ein Drittel aller Glattwalkalb-Sichtungen in den letzten fünf Jahren ein.

Was die Wale tötet, weiß man noch nicht

Die Glattwal-Tode in den Gewässern rund um Peninsula Valdés gehören zum größten Sterben unter Großwalen, das jemals dokumentiert wurde. Was die Wale tötet, weiß man noch nicht. In 2009 erklärte der Wissenschaftsausschuss der Internationalen Walfangkommission IWC das mysteriöse Sterben zu einer Priorität.

Wichtigstes Aufzuchtsgebiet: Die Valdés-Halbinsel

„Die Valdés-Halbinsel zählt zu den wichtigsten Aufzuchtsgebieten für diese Spezies der Südlichen Hemisphäre “, weiß der Wissenschaftler Miguel Iniguez, der das WDCS-/Fundacion Cethus – Projekt in Argentinien leitet.

++ Hier klicken und einen Blick in die Glattwal-Kinderstube werfen ++

Circa ein Drittel der geschätzten Population von Glattwalen in der Südlichen Hemisphäre nutzen die geschützten Buchten der Valdés-Halbinsel (Bestandteil der UNESCO Welterbeliste) in den Monaten zwischen Juni und Dezember, um dort ihren Nachwuchs auf die Welt zu bringen und diesen aufzuziehen.

„Wir müssen die Gründe für dieses mysteriöse Sterben der Kälber erforschen, um mögliche Lösungen zu entwickeln. Dazu müssen wir die Beobachtungen Südlicher Glattwale in ihren weitläufigen Nahrungsgebieten unbedingt ausweiten“, schließt Iniguez.

Wir gehen für Wale in die Luft

Die Fotoidentifikation von Südlichen Glattwalen aus der Luft erlaubt uns, unsere Foto-Kataloge mit denen anderer Wissenschaftler entlang des Südwest-Atlantiks zu vergleichen und daraus gemeinsame Forschungsergebnisse zum Verhalten von Südlichen Glattwalen abzuleiten.

++ Mit 35 € im Monat können wir einen Forschungsflug bezahlen, der Südliche Glattwale zur Datengewinnung aus der Luft beobachtet++

Dem Rätsel auf der Spur

Im Gegensatz zu den Nordatlantischen und Nordpazifischen Glattwalen, von denen nur noch wenige Hundert Tiere existieren, konnten sich die Südlichen Glattwale - wenn auch langsam - ein wenig besser von den Zeiten des kommerziellen Walfangs erholen. Bis zu 17 Meter und 60 Tonnen schwer gehört der Südliche Glattwal zu einer der am meisten verbreiteten Glattwal-Art der Welt. Aber um ihr langfristiges Überleben zu sichern, muss die Sterbeursache der Kälber untersucht und schnellstmöglich bekämpft werden.


Weitere spannende Informationen über Südliche Glattwale finden Sie in unserem Online-Artenführer!