|
||||||
| Protect | Arten und Populationen erhalten | WDCS Projekte auf der ganzen Welt Indien: Schutz des Ganges-Delfins
Ort: Vikramshila Gangetic Dolphin Sanctuary, Bihar, Indien Der Ganges-Delfin, der von der lokalen Bevölkerung ‚Soons’ genannt wird, war einst in vielen Flüssen Indiens, Nepals und Bangladeschs zu Hause. In den letzen 100 Jahren ist er jedoch aus einem großen Teil seines früheren Lebensraumes verschwunden und seine Zukunft ist ungewiss. Möglicherweise leben heute nur noch zwischen 4.000 und 5.000 dieser Tiere. Staudämme sind eine große Gefahr für Flussdelfine, da sie die Tiere isolieren und daran hindern, frei den Fluss auf und ab zu schwimmen. Ganges-Delfine können nur sehr schlecht sehen. Sie benutzen Echolokation, um Beute aufzuspüren, welche sie mit ihrem langen Schnabel und ihren vielen kleinen, scharfen Zähnen fangen.
Zunächst hatte die WDCS in Kooperation mit lokalen Umweltschützern des „Vikramshila Biodiversity Research and Education Centre“ (VBREC) und der Universität Patna sowie später auch mit Wissenschaftlern der T.M. Bhagalpur Universität ein Projekt initiiert, um einen 50 km langen Abschnitt des Ganges-Mittellaufs in Indien von einem Schutzgebiet, welches nur auf dem Papier besteht, in ein Schutzgebiet umzuwandeln, das diesen Namen auch verdient, indem es einen effektiven Schutz für Flussdelfine und andere Wassertiere bietet. In den vergangenen Jahren konnten wir lokale Experten ausbilden und ein Projektteam aufbauen. Außerdem begannen wir mit Öffentlichkeitsarbeit in den Gemeinden der Region und initiierten ein Forschungsprogramm. Dieses beinhaltet auch eine umfassende Studie über die Größe der Delfinpopulation, ihren Lebensraum und die Gefahren, denen sie ausgesetzt ist. Allgemein konnten wir im Schutzgebiet eine große Vielfalt an gefährdeten Flussbewohnern feststellen, darunter der Gangesgavial (Gavialis gangeticus, eine Krokodilart), Indischer Fischotter (Lutrogale perspicillata) und eine Vielzahl verschiedener Schildkröten- und Weichschildkrötenarten. Eine der wichtigsten Errungenschaften ist die Entwicklung des „Vikramshila Conservation Action Plan“, eines Schutz- und Erhaltungsplans für das Gebiet. Das WDCS-Projekt muss nun dringend auf Basis dieses Erhaltungsplans intensiviert werden. Zu den Bestandteilen des Plans zählen: 1) Bewusstseinsbildung in den betroffenen Gemeinden und Förderung der Teilnahme an Schutzaktivitäten und -plänen; 2) Förderung der Verantwortlichkeit durch Vergabe von Fischereirechten an die Gemeinden; 3) Aufbau eines Forschungs- und Bildungszentrums, das der Biodiversität im Fluss gewidmet ist; 4) Wissenstransfer an Regierungsbehörden und einflussreiche Einzelpersonen; 5) Herausstellung der Flussdelfine als „Flaggschiff-Art“ gesunder Flüsse; 6) Überwachung des Zustands der Delfine und der Umweltbedingungen im Schutzgebiet; 7) konzentrierte Schutzbemühungen in Gebieten mit besonders hoher Delfindichte; 8) Förderung der Gewinnung von Öl aus Fischresten als Alternative zum Delfinöl, das zur Anlockung von Fischen benutzt wird. Das asiatische Projektteam beschäftigt sich auch mit Populations-, Lebensraum- und Gefahrenmonitoring im Schutzgebiet. Die Forschungsarbeiten und andere Aktivitäten wurden auch auf Video festgehalten. Für die WDCS-Aufklärungskampagne sind diese Aufzeichnungen äußerst hilfreich. Sie wurden der lokalen Fischergemeinde, prominenten Persönlichkeiten und Medienvertretern vorgeführt. Die Reaktionen fielen überaus positiv aus. Lokale Fernsehsender wurden vom Team ermutigt, einen Teil des Filmmaterials einem größeren Zuschauerkreis zugänglich zu machen. Die Fischergemeinde von Barari Ghat erklärte nach dem Besuch eines Theaterstücks über Flussdelfine ihren Wunsch, am Fluss in der Nähe ihres Dorfes eine Beobachtungsstation zu errichten, da dort bekanntermaßen Delfine in ansehnlicher Zahl vorkommen. Dies ist ein Zeichen für den Erfolg der Informationskampagne. Das Team des VBREC plant, hier eine Delfin-Beobachtungsstation zu bauen und mit Unterstützung der Fischergemeinde lässt sich dies wesentlich leichter verwirklichen. Beobachtungen auf Fischmärkten und an Orten, wo Fischer ihren Fang an Land bringen, ermöglichen es dem Team, die Fischereiaktivität, verwendete Geräte und allfällige Abweichungen von geltenden Vorschriften zu beobachten sowie Informationen über Delfintötungen zu gewinnen. Die Existenz des Vikramshila-Schutzgebietes kann über Leben und Tod der dort lebenden Flussdelfine - und auch der dortigen Fischergemeinden - entscheiden. Außerdem kann ein gut funktionierendes Vikramshila-Schutzgebiet als Modell für weitere, ähnliche Projekte in Asien dienen. |
||||||