2010-04-01
Im Visier der Walfänger: Unsere Art der Woche
Der Zwergwal ist, wie sein Name schon andeutet, die kleinste Art unter den Bartenwalen, zu denen beispielsweise auch Blau- und Buckelwale gehören. Der Zwergwal wird der Familie der Furchenwale zugerechnet - ihren Namen haben die Furchenwale von ihren charakteristischen Furchen (Längsfalten), die von der Kehle bis zur Brust verlaufen. Der Zwergwal hat ca. 50-70 Furchen. Jede von ihnen ist etwa 5 cm tief. Sie dehnen sich aus wenn der Wal sein Maul öffnet, so dass sein Rachenraum beträchtlich größer wird. Dadurch kann das Tier bei der Nahrungsaufnahme erheblich mehr Wasser auf einmal aufnehmen. Anschließend presst der Wal das Wasser durch die Barten, die als Filter dienen. Dort bleiben Nahrungspartikel wie Krill hängen.
Geselliger als gedacht
Zwergwale scheinen überwiegend einzelgängerisch zu leben, aber jüngste Untersuchungen der Kleinform am Great Barrier Reef zeigten sie sozialer und kommunikativer als zuvor gedacht. Sie sind recht schnelle Schwimmer und von Zeit zu Zeit springen sie („breaching”) oder schauen sich über Wasser um („spyhopping”).

Zwergwal ist nicht gleich Zwergwal
Erst vor kurzem hat man herausgefunden, dass mindestens zwei verschiedene Arten von Zwergwalen existieren, der Gewöhnliche Zwergwal(Balaenoptera acutorostrata) und der Antarktische Zwergwal (Balaenoptera bonaerensis). Die beiden Arten sind sich sehr ähnlich, doch ist der Antarktische Zwergwal nur auf der südlichen Halbkugel zu finden und ist kleiner als der Gewöhnliche Zwergwal. Der Gewöhnliche Zwergwal ist das Hauptziel der kommerziellen Jagd der Norweger und Isländer, die jährlich Hunderte Tiere töten. Japanische Walfänger jagen sowohl Gewöhnliche Zwergwale als auch Antarktische Zwergwale zu „wissenschaftlichen“ Zwecken. Dieser so genannten Forschung fallen hunderte Zwergwale zum Opfer. Die Walfangnationen, Norwegen, Island und Japan, behandeln den Zwergwal allerdings wie eine einzige Art.
++ Klicken Sie hier, um einem Zwergwal zu lauschen. ++
Im Visier der Walfänger
Anfang April beginnt in Norwegen und Island die jährliche Walfangsaison. Zu den gejagten Arten gehört, wie jedes Jahr, der Gewöhnliche Zwergwal. 2010 beträgt die geplante Fangquote laut der norwegischen Fischereiministerin Lisbeth Berg Hansen 1286 Zwergwale. Das sind 401 Tiere mehr als in der letzten Fangsaison und die höchste selbst auferlegte Fangquote seit Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs durch Norwegen.

VIDEO: Der qualvolle Todeskampf eines Wales dauert schätzungsweise etwas mehr als 2 Minuten. Dieses Video wurde auf einem modernen Walfangschiff gedreht.
Weder Norwegen noch Island erkennend das international gültige kommerzielle Walfangverbot und das internationale Handelsverbot mit Walprodukten an. Island exportierte 2009 trotz des Handelsverbotes Walprodukte im Wert von mehr als 2,5 Millionen US-Dollar – unter anderem in die EU. Damit erhält der Handel mit Walprodukten eine neue Dimension und zeigt, dass die Walfangindustrie kein Interesse hat, sich an irgendwelche Bestimmungen zu halten. Die WDCS übermittelte erste Enthüllungsergebnisse den Behörden.
++ Wir berichteten hier ++
Großteil der Walprodukte wird nicht genutzt
Norwegen ignoriert dagegen auch die Gesetze des eigenen Marktes. In den vergangenen Jahren haben norwegische Walfänger nicht einmal die selbst auferlegte Fangquote angelandet, auch hat der Handel meist nach wenigen Wochen eine Unterbrechung der Jagd gefordert, da das Walfleisch nicht abgesetzt werden konnte. 2009 wurden daher von den 885 zum Abschuss freigegebenen Zwergwalen lediglich 484 angelandet. Zudem wird ein Großteil der Walprodukte gar nicht genutzt, sondern geht noch auf offenem Meer über Bord. Trotzdem will Norwegen die Waljagd nicht einstellen, sondern erhöht die Quote sogar auf den diesjährigen Rekordwert. In Island wurden in der letzten Saison 81 Zwergwale geschossen.
Senden Sie >>WALHELFER<< an 81190 und helfen Sie, die Jagd auf Wale mit EUR 4,83* (*Ihre Kosten: EUR 5 zzgl. SMS-Transport) zu stoppen. Als Dankeschön erhalten Sie kostenlos ein Walbild auf Ihr Handy.

WDCS aktiv: Militärübungen bedrohen schottische Zwergwale
Militärisches Echolot, welches während dieser Militärübungen genutzt wird, gibt extrem laute Geräusche ab und kann Wale und Delfine stören bzw. sogar verletzen, da diese auf ihr sensibles Gehör angewiesen sind um sich zu orientieren, Nahrung zu finden und zu kommunizieren. Marineradars werden meist im Zusammenhang mit massiven Strandungen von tief tauchenden Walen gebracht. Aber Zwergwalstrandungen auf den Bahamas und in North Carolina (USA) wurden dadurch verursacht.
Die Westküste Schottlands ist bekannt für Populationen von Zwergwalen, die auf Grund des reichhaltigen Nahrungsangebotes in den Sommermonaten in dieses Gebiet einwandern. Allerdings wurden in letzter Zeit zunehmend weniger Zwergwale beobachtet – verursacht durch militärische Seeübungen.
++ Lesen Sie hier mehr zur Joint Warrior – Militärübung in Schottland ++
Zusammen mit dem HWDT (Hebridean Whale and Dolphin Trust) wird die WDCS auch 2010 in Großbritannien erneut die militärischen Übungen des Britischen Verteidigungsministeriums, die in Schottland ausgeführt werden, genauestens beobachten und deren Auswirkungen auf die Umwelt transparent machen.
Weitere spannende Fakten über Zwergwale finden Sie in unserem Online-Artenführer.
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