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13. Mai 2010

Merkel soll Wale retten

In einem Offenen Brief haben 25 Umwelt- und Tierschutzorganisationen Frau Merkel am 12. Mai aufgefordert, auf ein Ende des kommerziellen Walfangs zu drängen, statt gefährliche Kompromisse einzugehen. Deutschland hat einen Kompromiss zwischen Walfang- und Walschutzinteressen mit ausgehandelt, über den auf der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) im Juni abgestimmt werden soll. Artenschützer warnen vor den verheerenden Folgen des hinter verschlossenen Türen ausgehandelten Vorschlags: "Der Kompromiss würde den Abschuss von jährlich fast 1.400 Walen legitimieren und das Walfangverbot ad absurdum führen", betont Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife. "Wale drohen, das Opfer einer falsch verstandenen Diplomatie zu werden, denn die Gegenleistung der Walfänger ist marginal."

Island und Norwegen dürften sogar mehr Wale töten
 
In den letzten Monaten erarbeitete Deutschland gemeinsam mit elf Ländern in geheimen Verhandlungen einen Kompromiss, der auf dem Papier die konträren Interessen von Walschutz- und Walfangländern berücksichtigen soll. Der Vorschlag würde das kommerzielle Walfangmoratorium für zehn Jahre außer Kraft setzen und Island, Norwegen und Japan den jährlichen Fang von fast 1.400 Walen absegnen - teils sogar im Antarktis-Schutzgebiet. Island und Norwegen dürften sogar mehr Wale töten, als sie in den letzten Jahren im Schnitt gejagt haben. Dies könnte auch das Ende des internationalen Handelsverbotes für Walfleisch einläuten.
 
"Aus europäischer Sicht gibt das Verhandlungsdokument jegliche seriöse Walschutzpolitik auf und ist unannehmbar. Island und Norwegen würden für das jahrelange Ignorieren internationaler Beschlüsse gar belohnt", kritisiert Nicolas Entrup, Sprecher der Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS, die Bundesregierung und den fehlenden Kampfeswillen gegenüber europäischen Walfangstaaten.

Merkel muss sich klar den Interessen der Walfangländer widersetzen
 
Dabei forderte ein Bundestagsbeschluss vom Mai 2007 die Regierung auf, "für die Beibehaltung des Moratoriums einzutreten und jegliche Vorschläge abzulehnen, die zur Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs führen". Während die Oppositionsparteien einen neuen Bundestagsbeschluss anstreben, der eine Absage der Bundesregierung an den vorliegenden Walfangkompromiss festlegen würde, sind die Fraktionen der CDU/CSU und FDP bei diesem Thema gespalten. "Es liegt nun in der Hand von Frau Merkel, ein Machtwort zu sprechen und sich klar den Interessen der Walfangländer zu widersetzen", betont Altherr. Deutschland hatte in den vergangenen 20 Jahren eine führende Rolle im internationalen Walschutz, die es nun zu verspielen droht.
 
 
Schulterschluss der Tier- und Umweltschutzverbände, die den Offenen Brief an die Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Frau Merkel unterzeichneten:
 
Animal Public
BUND
Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.
Care for the Wild Deutschland e.V.
DEEPWAVE e.V.
Deutscher Naturschutzring
Deutscher Tierschutzbund e.V.
DUH
Euronatur
Gesellschaft zur Rettung der Delphine
Greenpeace
IFAW Internationaler Tierschutzfonds
M.E.E.R eV
Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
NABU e.V.
Project AWARE Foundation Europe
Pro Wildlife
Rettet den Regenwald e.V.
Die Tierparkfreunde  Hellabrunn
Vier  Pfoten
VDST
WDCS
WSPA 
WWF
Zoologische Gesellschaft Frankfurt

Klicken Sie hier für den Originalbrief.