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Lärm in Nord- und Ostsee
Realität und Fiktion – Die Doggerbank
Der Film "Geheimnis der Wale" ist eine spannende Fiktion und alle Handlungen und Personen sind frei erfunden. Realität ist aber, dass zwischen lauten menschlichen Aktivitäten und Massenstrandungen von Walen ein Zusammenhang besteht. So konnte dank intensiver Forschung bewiesen werden, dass laute militärische Sonargeräte Wale stranden lassen und es gibt eine Reihe von Hinweisen, dass dies auch für Seismische Untersuchungen zutrifft. Leider erlebt die Seismikindustrie mit ihren Explorationsschiffen auf Grund steigender Öl- und Gaspreise einen neuen Boom und tatsächlich hätte der Film sogar vor unserer eigenen Haustür spielen können wie das Beispiel Doggerbank zeigt:

So hat das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie am 26.3.2007 eine seismische Untersuchung im Meeresschutzgebiet “Doggerbank“ genehmigt. Als so genantes „Schutzgut“ ist unter anderem der Schweinswal genannt, der nach europäischem Recht den höchsten Schutzstatus geniest (Listung im Anhang II der EU-Habitatsrichtlinie). Die Untersuchungen wurden von der BASF Tochter Wintershall durchgeführt und umfasste ein Areal von 1470km², wovon 430km² in der deutschen AWZ (Ausschließliche Wirtschaftzone) liegen. 30% des deutschen Gebietes sind als so genanntes „FFH Gebiet“ an die Europäische Kommission gemeldet und bilden einen wichtigen Teil in dem „Natura 2000“ – Schutzgebietsnetzwerk, mit Hilfe dessen das Erbe der biologischen Vielfalt auch für die kommenden Generationen erhalten werden soll.

Bei dieser seismischen Untersuchung wurde beantragt und genehmigt, dass von Frühjahr bis Herbst 2007 kontinuierlich 24 Stunden und sieben Tage die Woche Airguns in das Schutzgebiet schallen dürfen. Dabei bewegte sich das Schiff mit 4,4 Knoten und schoss alle acht bis neun Sekunden einen Impuls von ca. 263 dB ab. Die Auswirkung dieser Aktivitäten kann bei den Meeressäugern von Vertreibung und Habitatsverlust bis hin zu physischen Schaden reichen. Die Untersuchungen begannen, obwohl bekannt war, dass in diesem Gebiet trächtige Schweinswalkühe anwesend waren und dass die schnelle Flucht unkalkulierbare Risiken für die Tiere mit sich gebracht hat. Auch stellte sich heraus, dass sich im Gebiet der Doggerbank mehrere Gruppen Zwergwale aufhielten, die offensichtlich auf Nahrungssuche waren.
Die Genehmigung wurde entgegen schwerer Bedenken der deutschen Naturschutz-Behörden wie dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und Umweltbundesamt (UBA) und scharfen Protesten nationaler und internationaler Umweltverbände erteilt und machte deutlich, dass ein angemessener Umweltschutz trotz der Ausweisung eines Schutzgebietes bei der derzeitigen Rechtslage nicht durchzusetzen ist.
Welche Gründe sprachen im Detail gegen die Exploration im Schutzgebiet:
- Die Doggerbank ist ein Hotspot für unsere einheimischen Schweinswale
- Aktuelle Studien belegen, dass die bei den seismischen Untersuchungen eingesetzten Airguns neben den gewollten, tiefen Frequenzen auch beträchtliche Energie im Ultraschall, also in dem für die Schweinswale überlebensnotwendigen Frequenzbereich haben.
- Aus diesem Grund zeigten Schweinswale noch in einer Entfernung von 70 km deutliches Ausweich- und Fluchtverhalten.
- Schweinswale, die innerhalb dieses Bereichs sind, sollen durch eine langsame Steigerung der Lautstärke innerhalb von einer halben Stunde vertrieben werden. Die nur 1m bis 2m großen Tiere sind aber nicht schnell. Im Normalfall schwimmen sie ca. 7km/h und schaffen im Sprint nicht viel mehr als 20km/h.
- Zur Zeit der Exploration befanden sich trächtigen Weibchen in der Endphase ihrer Schwangerschaft, denn schon im Mai wurden Kälber beobachtet. Die trächtigen Weibchen müssen also mit Hochgeschwindigkeit über mehrere Stunden aus dem Areal fliehen. Ein Abort ist somit nicht unwahrscheinlich.
- Hinzu kommt noch, dass neuere Untersuchungen gezeigt haben, dass sich der Schall besonders im Flachwasser, wie im Gebiet der Doggerbank, auf Grund nicht linear ausbreitet. In der Praxis führt das dazu, dass sich sehr laute mit etwas leiseren Bereichen abwechseln. Es ist sogar möglich, dass die Tiere in die falsche Richtung und somit auf das Schiff zuschwimmen.
- Obwohl die Firma die Problematik kennt, wird mit den lautesten zur Verfügung stehenden Airguns gearbeitet.
- Obwohl das BfN als auch das UBA eine Kombination aus allen Verminderungsmaßnahmen vorschreiben, führt die Firma auch bei Nacht die seismische Untersuchung durch. Bei Nacht ist es aber nicht möglich, die kleinen Schweinswale zu sehen und somit kann die Untersuchung bei der Anwesenheit von Walen auch nicht unterbrochen werden.
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